Suche Frieden und jage ihm nach (TDW 48/2017)

Lesedauer: 7min

Frieden ist eine Herausforderung. Stellst du dich ihr?

Worum geht es, wenn Menschen von Frieden reden? Was hat es mit dem Freiden auf sich? Und was sind sie bereit, dafür zu investieren? Wie ist Frieden zu erreichen, zu erhalten und zu sichern?
"Suche den Frieden und jage ihm nach!" Ein Satz aus früheren Zeiten. Aus sehr viel früheren Zeiten. Aber dieser Satz gilt heute noch genauso. Im Hier und Jetzt. Frieden ist eine Herausforderung. Stellst du dich ihr?
Lies bitte zuerst: Joahnnes 14, 27


Hey du,
wir müssen reden. Wirklich. In aller Ruhe und Gelassenheit. Und zwar über die Unruhe. Den Streit. Das sich nicht einig sein. Das wilde Ringen und Kämpfen. Manipulieren. Über das, was uns gegen den Strich geht. Was uns wie Blei oder Beton im Magen liegt. Darüber, was uns den Schlaf raubt und die gute Laune, die Herzlichkeit, das Lachen und die Zuversicht: Die Friedenskiller, die Störer. Zerstörer und Vernichter. Die können wir nämlich aus dem Weg räumen, wenn wir sie erst einmal in den Blick genommen haben. Beginnen wir im Alltag.

Frieden kostete etwas
Unser Alltag steckt so oft voller Unfrieden. Wir streiten uns, wir suchen einen Schuldigen für Dinge in denen wir selbst Mist gebaut haben, wir verletzen andere und werden selbst verletzt. Unfriede so weit das Auge reicht. Jeden Tag ist die Zeitung voll davon. Aber nicht nur in der Welt, bei den anderen, weit weg, gibt es diesen Unfrieden. Auch in mir. Ich fühle mich oft im Unfrieden mit mir selbst und mit anderen Leuten. Irgendwie innerlich zerissen. Ich werde meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht, bin von mir selbst und von anderen enttäuscht. Die Beziehungen zu meinen Eltern, der besten Freundin und meinem Freundeskreis stehen in ständigen Spannungen, immer und immer wieder gibt es Streit. Und manchmal habe ich das Gefühl, ich stehe auch mit Gott im Streit, weil ich das Gegenteil von dem tue, was er will. Der Kampf zwischen Gut und Böse tobt auch in mir.
Wenn ich anfange, mich mit Krieg und Frieden auseinanderzusetzen, fällt mir auf, dass es viel einfacher ist, Streit anzuzetteln als Frieden zu stiften. 
Von Krieg zu Frieden ist es oft ein langer Weg. Von Frieden zum Krieg aber nur ein so kurzer. Es ist so viel einfacher zu zerstören als aufzubauen. Es ist so viel einfacher, die Faust zu ballen und zuzuschlagen. Und es fällt mir auf: Frieden kostet etwas. Es kostet Mut! Mut einen anderen Weg zu gehen als diejenigen, die zurückschlagen. Weil ich das Opfer werden könnte. Weil ich dadurch Schmerz erleiden könnte. Und obwohl ich Schläge kassieren könnte, wenn ich mich wehre, schmerzt der verletzte Stolz beim Wegrennen mehr.

Einer muss anfangen
Fest steht: Frieden stiften wird uns immer etwas kosten. Denn der Weg zum Frieden kann nur gewaltfrei sein. Und wenn man Gewalt Gewaltlosigkeit entgegenbringt, wird man leiden. Mahatma Ghandhi hat bei seinem friedlichen Protest gegen die Fremdherrschaft Hunger gelitten, Rosa Parks und Martin Luther King haben durch ihren friedlichen Protest ihr Leben verloren, und wer 1943 in Berlin anfängt, sich friedlich, aber öffentlich gegen die Nazis zu stellen, dessen Nächte werden unruhig. Seine Fenster könnten splittern und sein Briefkasten brennen. Das muss nicht sein, aber es passiert. Doch wenn es keinen Mutigen gibt, der anfängt, wir des keine Masse geben, die den Frieden herstellt. Wie z.B. bei der friedlichen Revolution 1989 in Leipzig, die dazu geführt hat, dass die Mauer fiel. Und wodurch? Durch einen, der anfing ein Gebetstreffen zu initiieren. Einer muss anfangen. Einer muss bereit sein, zu riskieren, Opfer zu werden. Dann kommen andere nach, machen mit, folgen. Dabei Opfer zu werden, ist kein Muss! Man muss aber wissen, dass es passieren kann.

Jesus folgen
Jesus hat das gewusst. Im Garten Gethsemane hat er gewusst, dass er leiden wird. Dass er ein Opfer werden wird, weil er sich ohne Gewalt gegen die zerstörerische Macht dieser Welt stellte. Er war der Eine, der angefangen hat. Der vorausgegangen ist. Er blieb derjenige, der die Menschen liebt - jeden, auch diejenigen, die ihn Nägel durch die Hänge schlugen. Und er hat gewonnen. Diese Liebe können wir von ihm lernen. Denn bei allem Einsatz für Frieden darf es nicht um Aktivismus gehen, um coole Aktionen oder das gute Gefühl, mal eben auf einer Demo gewesen zu sein. Nein, wenn es dabei nicht um die Liebe geht, auch gegenüber meinen Feinden, dass sind wir nicht auf dem Weg Jesus hinterher, sondern dann marschieren wir ganz schnell gegen Menschen.
Wenn ich Frieden stiften will, muss mir klar sein, dass ich nicht gegen Menschen bin. 
Jesus war nie gegen Menschen! Ich bin also nicht gegen Menschen, die sich z.B. als Nazis bezeichnen. Ich bin gegen das, was sie denken, ich bin gegen das, was sie tun und vor allem gegen die Macht, die hinter dieser zerstörerischen Dynamik steht. Doch um so denken zu können, gerade wenn ich Menschen gegenüberstehe, die Hass und Gewalt in sich tragen, dann brauche ich Hilfe. Und Liebe. Wenn wir Friedensstifter sein wollen, müssen wir als erstes zu Jesus und uns mit seiner Liebe erfüllen lassen!

Frieden ist eine Entscheidung
Vor einigen Wochen wurde der diesjährige Friedensnobelpreisträger bekannt gegeben. Dieses Mal ging der angesehene und hoch dotierte Preis an die internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung "ICAN". Außer "ICAN" standen noch weitere 317 Anwärter auf der Liste, darunter Angela Merkel und Donald Trump. Was all die, wie auch die bisherigen Friedensnobelpreisträger eint, ist, dass sich unter ihnen oftmals große Organisationen und einflussreiche Politiker finden lassen. Man könnte also mit gutem Grund meinen: Wenn denn jemand für den Frieden verantwortlich sei, dann all die, die über Macht und Einfluss verfügen. Und ja, solche Persönlichkeiten und Organisationen tragen eine besondere Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Ihre Entscheidungen beeinflussen das Leben vieler Menschen. Aber die Gesellschaft definiert sich nicht allein dadurch, dass sie in der Form eines großen Bündnisses, eines Landes oder einer Stadt existiert, deren Zukunft durch einzelne Vertreter entscheidend bestimmt wird. Viel eher ist sie die Menge aller kleinen und großen Beziehungen, die wir Menschen als Teil der Gesellschaft haben. Wir haben gegenüber unserer Familie, unseren Freunden und unseren anderen Mitmenschen eine ganz eigene Verantwortung. Eine Verantwortung für den Frieden.
Denn Frieden ist in erster Linie eine Entscheidung, die wir selbst treffen.
Wie der Philosoph Karl Jaspers so schön schreibt: "Der Friede beginnt im eigenen Haus."Frieden beginnt bei dir. In deinem Alltag.

Frieden ist kein statischer Zustand 
Frieden besteht nicht darin, die eigenen Rechte einzufordern. Frieden lässt sich auch nicht darauf reduzieren, dass man das moralisch Richtige tut und eigene Bedürfnisse zugunsten des Wohlergehens anderer zurücksteckt. Nein, Frieden geht einen Schritt weiter.
Nicht selten beginnt Frieden damit, als erster auf den anderen zuzugehen und ihm zu vergeben.
Man muss nicht im Bundestag oder gar in der Versammlung der Vereinten Nationen sitzen, um dafür verantwortlich zu sein, Frieden zu schaffen. Jeder einzelne von uns trägt eine persönliche Verantwortung, die gleich viel wiegt und wert ist wie die von Staatsoberhäuptern. Doch sind Vergebung und Rücksichtnahme einfach umzusetzen? Ganz und gar nicht. Oft fällt uns genau das so schwer. Vor allem ist ein einmal eingetretener Frieden kein statischer Zustand. In einer Welt, in der wir Menschen ständig miteinander interagieren, ist er eine tagtägliche Herausforderung.
Doch dieser Herausforderung jeden Tag standzuhalten und sie zu meistern ist unmöglich. Weil wir Menschen nicht perfekt sind. Weil wir Fehler machen, weil wir verletzen und weil wir dadurch Chaos verursachen. Aber Gott hat uns versprochen, dass wir diese Herausforderung nicht alleine meistern müssen!

Göttlicher Friede
Die Bibel benutzt das Wort "Frieden" sehr häufig - insgesamt 237 Mal taucht das hebräische Wort "Schalom" allein im Alten Testament auf. Es wurde von den Bibelübersetzern mit mehr als 25 verschiedenen Worten versucht zu übersetzen. Es bedeutet soviel wie Freundschaftlichkeit, genug haben, ausgleichen oder das äußere und innere Wohlbefinden. Man findet es zum Beispiel in !. Könige 4,20: "Das ganze Volk hatte genug zu essen und zu trinken und war zufrieden."
Schalom bezeichnet die Verheißung des Friedens, den Gott uns schenken möchte. Ein Wohlbefinden auf allen Ebenen. Es ist viel mehr als nur die Abwesenheit von Gewalt und Krieg.
Dieser Friede bedeutet innere Heilung, Versöhnung mit Gott und harmonische Beziehungen zu unseren Mitmenschen. Es bezeichnet einen Ort, wo mein Herz zur Ruhe kommt, wo ich frei durchatmen kann. Dieser Friede unterscheidet sich stark von dem, was wir als Frieden bezeichnen würden, denn dieser Friede kann auch dann existieren, wenn um uns herum Krieg herrscht, wenn Streit und Tyrannei an der Tagesordnung sind. Schalom ist ein Friede, der unseren Verstand übersteigt, und der kaum zu erklären ist. Paulus beschreibt das so: "Der Frieden Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird euch in eurem Innersten bewahren." (Phillipper 4,7) Diese Art von Frieden kann man nicht "machen" oder herstellen, sondern sich nur vom "Gott des Friedens" (Römer 15,33) schenken lassen. Es ist etwas Göttliches. Ein Geschenk. Als Jesus die Erde verließ versprach er: "Meinen Frieden gebe ich euch; einen Frieden, den euch niemand auf der Welt geben kann." (Johannes 14,27)

König des Friedens
Und es geht sogar noch weiter: Jesus schenkt uns nicht nur seinen Frieden, nein, er selbst ist Friede! An mehreren Stellen in der Bibel wird Jesus als der "Friedensfürst" oder als "Friedenskönig" bezeichnet. Und das zu recht, denn er ist es, der Gott und Mensch versöhnt hat, als er für unsere Fehler mit seinem Leben bezahlte. Und er hat das verkörpert, was Gott sich unter Frieden vorgestellt hat. Er hat seine Freunde geliebt, er hat Frieden in seinem Umfeld hergestellt, zum Beispiel, wenn seine Jünger sich mal wieder gestritten hatten, und hat gezeigt, was es bedeutet, seinen Mitmenschen höher zu achten als sich selbst, als er seinen Freunden die Füße wusch. Er ist der König des Friedens, der Vergebung überhaupt erst möglich gemacht hat.

Keine rosa Welt
Also ist es mal wieder klar: Die Bibel ist ein Buch, für Weichspüler, für Friedensstifter, für Softies, für Mädchen mit Zahnspangen und Jungs mit Rollkragenpullovern. Kein Platz für eine ehrliche Auseinandersetzung, kollidierende Meinungen und Unterschiedlichkeit. Falsch. Jesus war kein Waschlappen und dennoch war und ist er der Friedensfürst. Er hat sich nicht vor Streitgesprächen mit den Pharisäern gescheut (Lukas 2,46-47) und von ihm stammen  auch Worte wie: "Alle Menschen werden euch hassen, weil ihr euch zu mir bekennt." (Lukas 21,17) Jesus macht deutlich, dass sich an ihm die Meinungen scheiden werden und es um seinetwillen Streit geben wird: "Meint nur nicht, dass ich gekommen bin, um Frieden auf die Erde zu bringen! Nein, ich bringe Auseinandersetzung. Von Jetzt an wird man sich in einer Familie um meinetwillen miteinander entzweien." (Lukas 12,51-52)
Jesus hat nicht versprochen, dass wir als Christen in einer rosaroten Scheinwelt leben. Er hat selbst hat mit Leuten diskutiert, hat selbst viel Unfrieden in seinem Umfeld erlebt und starb letztendlich ja auch einen ziemlich gewaltvollen Tod. Und er hat auch nicht gesagt, dass es bei uns auf der Welt friedlich zugehen wird. Er hat nicht versprochen, dass wir hier in Harmonie zusammenleben werden. Er hat nicht zugesagt, dass es kein Leid und keine Tränen geben wird. Aber eines hat sich durch Jesus, den Friedensfürst, für alle Zeit verändert: Er hat Frieden geschaffen zwischen Gott und den Menschen. Und nur aufgrund dieses Friedens ist es möglich, dass wir auch untereinander Frieden leben.

Frieden ist eine Herausforderung  
Ja Frieden ist eine Herausforderung. Und erst in dem Wissen, dass ich nicht perfekt bin, aber mir so, wie ich bin, alles vergeben ist - ja, dass ich vielmehr unendlich geliebt, angenommen und gewollt bin, kann ich diese Herausforderung meistern.
Mit Jesus ist Frieden möglich!
Denn er hat mich ein für alle Mal mit Gott versöhnt. Nicht umsonst ist "Versöhnung" ein anderes Wort für "Frieden". Der alltägliche Frieden zwischen uns Menschen wird also erst möglich durch den ewigen und unveränderlichen Frieden, den Gott uns durch Jesus schenkt. Wir dürfen diesen Frieden annehmen und weitergeben. Und auch wenn es nicht immer gelingen mag, haben wir die Zuversicht, dass unsere Versuche doch nicht ins Leere laufen. So können wir immer wieder zuversichtlich und neu in jeden Tag starten - ausgerüstet mit Liebe, Nachsicht und Geduld anderen und uns selbst gegenüber. Denn am Ende wartet für jeden von uns ein ganz eigener Friedenspreis - einer, der weder im Regal einstauben noch dessen Wert mit irgendeiner Währung gemessen werden kann.

Love causes peace
Jimi Hendrix hat mal gesagt: "Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben". 
Und auch Paulus beschreibt diese Liebe in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth: "Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende."
Wie würde eine Gesellschaft aussehen, in der jeder zumindest versuchen würde, sich in seinem Verhalten an diesen Prinzipien zu orientieren?
Wenn Menschen wie du und ich anfangen würden das zu leben. Wir könnten tatsächlich die Welt verändern. Wir könnten sie tatsächlich zu einem besseren, ruhigeren, friedlicheren Ort machen.

Frieden geben
Wenn wir selbst diesen Frieden Gottes erlebt haben, dann können wir auch zu Friedensstiftern werden. Und genau das ist auch Jesus Auftrag an uns: "Setzt alles daran, mit jedem Menschen Frieden zu haben und mit eurem ganzen Leben Gott zu gehören." (Hebräer 12,14) Frieden hat nicht nur eine politische Dimension, sondern auch eine ganz persönliche. Jeder von uns ist für den Frieden in seinem Umfeld verantwortlich: In deiner Schule, in deiner Familie und in deinem Fußballverein kannst du derjenige sein, der als "Friedensstifter" bekannt ist. Bei jedem Streit, wenn hinter dem Rücken über andere schlecht geredet wird, bei jeder Ungerechtigkeit gibt es die Chance, Frieden zu stiften. Echten Frieden. Frieden, der auch in stürmischen Zeiten existieren kann. Schalom.

Mal angenommen, Frieden wäre wirklich möglich
"Auch wenn ich nicht mehr da bin, wird doch der Friede bei euch bleiben. Ja, meinen Frieden gebe ich euch – einen Frieden, den euch niemand sonst auf der Welt geben kann. Deshalb seid nicht bestürzt und habt keine Angst!" (Johannes 14, 27)
Dieser Vers hat mich daran erinnert. Dass wir mehr können, als wir meinen. Dass wir manchmal schneller urteilen, als es gut ist. Dass wir verurteilen, wo wir es nicht sollten. Dass wir wegschauen, wo wir hinschauen müssen. Dass wir ausweichen, wo unsere Haltung gefragt ist. Dass wird die Schuld gern beim anderen suchen, aber nicht bei uns selbst. Dass wir eher nach dem Prinzip "Ich zuerst" leben und damit dem Prinzip der Liebe eine Absage erteilen. Wie wäre es, wenn wir das "Ich zuerst" in Haltung und Wirkung umkehren würden? Im Sinne von: "Ich will der Erste sein, der Gottes Frieden ausstrahlt!"
Dann könnte tatsächlich zu schaffen sein, was so aussichtslos scheint. Dann könnte die Welt um uns herum Frieden finden. Echten, beständigen Frieden. Gottes Frieden.

Frieden ist eine Herausforderung. Stellst du dich ihr?

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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