Wahre Worte

Lesedauer: 6min

Worte, die trennen und verbinden

"Die Worte eines Menschen sind wie tiefe Wasser, lebendig wie ein sprudelnder Bach und wie eine Quelle der Weisheit" (Sprüche 18, 4). Wir reden. Jeden Tag. Reden Quatsch, fluchen ab und an - reden Worte, die trennen und Worte die verbinden. Aber das, was wir sagen hat Auswirkungen. Unsere Worte haben Macht. Mehr, als uns oft bewusst ist.

Hey du,
ich bin ein Fan von Wörtern. Man kann tausend Dinge erschaffen, indem man sie immer wieder neu zusammensetzt.
Ich liebe es große Reden zu lesen und zu hören. Worte die träumen, Worte, die groß denken, Worte die mich bewegen, die Menschen ausmachen und die der Beginn einer Bewegung sind. 
Manche Wörter können sich einem ganz neu erschließen, wenn man sie sich mal auf der Zunge zergehen lässt. "Begeistern" ist zum Beispiel so ein Wort. Wenn jemand von etwas begeistert ist, dann hat er einen gewissen Geist inne, eine Leidenschaft für das, wofür er begeistert ist. Den Jackpot hat man an der Stelle natürlich, wenn man von Gott begeistert ist und dadurch der Heilige Geist in uns wohnt. Aber Wörter können nicht nur erschaffen, sondern auch zerstören. Sie können einreißen, umschmeißen, angreifen, verletzten und sogar töten. Nicht umsonst sagt man "Ein böses Wort tut oft mehr weh, als ein scharfes Schwert."
Jakobus beschreibt sehr bildlich die Zerstörungskraft, die unsere Worte haben: "So kann auch die Zunge, so klein sie auch ist, oder die Worte, so leicht dahingesagt sie auch sind enormen Schaden anrichten. Ein winziger Funke steckt einen großen Wald in Brand! Die Zunge ist wie eine Flamme und kann eine Welt voller Ungerechtigkeit sein." (Jakobus 3, 5-6)

Worte wie Blei
Worte haben eine enorme Macht. Ein Schwert kann unseren Körper verletzten, aber Worte können unsere Seele verletzten. Ein Schaden, der viel weniger offensichtlich und viel schwerer zu heilen ist. Genauso können ehrliche, aufrichtige Worte, Wahrheiten, die uns zugesprochen werden, ebensoviel heilsamer sein, als ein Pflaster es je könnte. Unsere Worte wiegen soviel wie Blei. Die Frage ist, ob wir damit trennen oder verbinden. Ob wir lieben oder hassen. Unsere Worte haben Macht. Ich frage mich manchmal, ob uns das so bewusst ist, wenn wir unbedacht irgendwas dahinplappern. Mir mit Sicherheit nicht.
Worte sind unsere stärkste Waffe, sowohl für den Angriff, als auch die Verteidigung.
Wir sollten beginnen, darauf zu achten, was wir sagen.
Lasst uns lieber einmal mehr uns selbst auf die Zunge beißen, als im Zorn mit unbedachten Worten um uns zu werfen. Lasst uns lieber auf einen Lacher verzichten, als in Kauf zu nehmen, dass wir mit unserem Scherz jemanden tief verletzen. Vielleicht halten wir unseren Sarkasmus für ein stumpfes Buttermesser, aber wir können nie sicher sein, ob unser Gegenüber nicht nur noch einen kleinen Hieb benötigt, um in sich zusammenzufallen.

Mit Worten bewaffnet
Ich stehe am Waldrand. Vor mir zwanzig Kinder, die völlig auf ihr Ziel fokussiert sind. Stille. Dann mein letztes Kommando: "Schuss!" Man hört ein Surren, gefolgt von mehreren Einschlagen. Es ist Dienstagnachmittag; ich gebe Bogenschießunterricht auf einer Kinderfreizeit. Wenn der Pfeilhagel auf die Zielscheibe einbricht, nur weil ich ein Kommando gegeben habe, fühle ich mich jedes Mal ein bisschen wie Legolas aus "Der Herr der Ringe". Wenn es darum geht, Kindern das Bogenschießen beizubringen, ist Disziplin und Konzentration gefragt. Sowohl bei den Kindern als auch bei mir. Eine falsche Bewegung und eines der Kinder könnte in Lebensgefahr schweben. Umso klarer, dass ich nie und nimmer jemandem einen Bogen und Pfeile in die Hand drücken würde, den ich nicht für fähig halte, diese Verantwortung auch zu tragen.

Wie ein Verrückter
Interessanterweise warnt uns die Bibel vor genau solch einer Situation: "Wie ein Wahnsinniger, der mit Geschoss und Pfeilen schießt und tötet, so ist ein Mensch, der seinen Nächsten betrügt und spricht: Ich habe nur gescherzt." (Sprüche 26, 18-19) Wenn ich ganz ehrlich bin, hab ich das schon mal getan. Wie oft mache ich ironische Witze oder sarkastische Bemerkungen gegenüber meinen Freunden und bin mir dabei gar nicht bewusst, was für einen Schaden ich damit anrichten könnte. "Ich habe ja nur Spaß gemacht..." Vielleicht geht's dir ja ähnlich.

Ironie vs. Sarkasmus
Aber was ist Ironie und Sarkasmus überhaupt? Und wo liegt der Unterschied? Ironie ist ein rhetorisches Stilmittel. Also etwas, durch das man in Text und Sprache noch besser ausdrücken und verstärkt betonen kann, was man eigentlich meint. Das erreicht sie, indem sie genau das Gegenteil von dem sagt, was sie eigentlich meint. Das tut sie so, dass jeder sofort versteht, was eigentlich ausgedrückt werden soll - zumindest in der Theorie. In der Praxis funktioniert das leider nicht immer so gut, was ab und an zu großer Verwirrung führt. Sarkasmus kommt von dem altgriechischen Wort "sarkezein", was zerfleischen oder verhöhnen bedeutet. Sarkasmus ist also per Definition etwas Zerstörerisches, das andere verspottet. Ziel des Sarkasmus ist, zu verletzen. Dafür nutzt Sarkasmus häufig Ironie. Manchmal reicht aber auch schon der Tonfall aus, um eine Bemerkung sarkastisch werden zu lassen. Sarkasmus bezeichnet die Absicht hinter einer Bemerkung, während Ironie ein reines Stilmittel, frei von jeder Wertung, ist.

Sarkastische Witze und vegetarische Schnitzel
Umso gefährlicher ist es, wenn ich anfange, sarkastische Witze zu machen. Denn der eigentliche Sinn des Sarkasmus ist es ja, zu verletzen, auch wenn ich vielleicht nur zum Lachen bringen will. Doch irgendwie passt das beides nicht richtig zusammen. Sarkastische Witze? Ist das nicht in sich falsch? So wie ein vegetarisches Schnitzel. Vielleicht sollte ich meinen Humor noch einmal überdenken. Denn ich will ganz sicher nicht wie ein Verrückter mit Pfeil und Bogen die Leute um mich herum verletzen, obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes meinte. Wir sollten aufhören, wahllos mit Worten um uns zu schießen.

Wahre Worte
Auch Lügen können verletzen und falsche Worte sind immer Worte, die früher oder später trennen. Aber niemals verbinden. Dass Lügen viel zerstören ist nichts Neues. Und trotzdem greifen wir alle immer wieder zur Notlüge, zur Beschönigung, zur Übertreibung. Ich will uns heute als Community herausfordern ehrlich und liebevoll miteinander umzugehen.
Stell dir mal vor, jeder sagt, was er denkt. Eine Welt, in der wir alle wie ein offener Brief sind. Keine Masken. Keine Geheimnisse. Keine Lügen. Keine Halbwahrheiten. Noch nicht einmal ein vorsätzliches Winken und Lächeln. Würde eine solche Welt funktionieren? Wäre es überhaupt gut, wenn plötzlich all unsere Gedanken wie ein Glashaus wären, in das jeder hineinsehen kann? Und gäbe es dann überhaupt noch gute Freunde, wenn eh jeder alles über mich wüsste? 
Möglicherweise erinnerst du dich an das letzte Gespräch mit deinem Lehrer, dem du versprochen hast, in Zukunft deine Hausaufgaben auch wirklich zu machen. Oder an die Verabredung mit deinem Freund, dass er sich dieses Mal auf dich verlassen kann, anstatt wieder von dir enttäuscht zu werden. So oft versprechen wir Dinge, die wir nicht halten können. Manchmal sagen wir Dinge, die wir nicht so meinen, weil die Wahrheit nicht gesagt werden kann. Zumindest fühlt es sich so an. Gott stellt uns seinen Standpunkt durch einen Psalm ziemlich deutlich vor: "Dann achtet auf das, was ihr sagt: Keine Lüge, kein gemeines Wort soll über eure Lippen kommen." (Psalm 34, 14)

Von Angst geführt
Manchmal kommt es einem so vor, als leite uns die Angst, durch die wir die Wahrheit ein wenig verdrehen. Auf die Frage "Wie geht es dir?", kommt dann ein knappes "Alles gut". Steckt da die Angst dahinter, jemand könnte erfahren, wie es mir wirklich geht? Dein Freund oder deine Freundin benimmt sich schon wieder doof und du machst einfach mit. Siegt da die Angst, dass wenn du sagst, was du über das Verhalten wirklich denkst, du einen Freund weniger haben könntest? In deiner Klasse wird damit angegeben wie brutal doch die gestrige Party war. Plötzlich wirst du gefragt, und statt davon zu erzählen, wie du mit deiner Freundin einen netten Kinoabend hattest, erfindest du noch schnell den einen oder anderen Cocktail dazu und korrigierst die Uhrzeit um ein paar Stunden nach hinten. Schließlich liegt in der Übertreibung die Deutlichkeit.
Wie wäre es zur Abwechslung mit der Wahrheit? 
Vielleicht ist sie nicht so rühmlich, bringt nicht den erwünschten Applaus, nimmt dir deine Masken oder stellt deine Freunde in ein unangenehmes Licht. Aber Gott verspricht dir in Psalm 34 gute Tage und ein Leben voller Freude, wenn wir darauf achten nicht zu lügen und keine gemeinen Worte auszusprechen.

Taten unterstreichen Worte
Oft haben wir Angst davor die Wahrheit zu sagen. Weil wir selbst Angst vor ihr haben, oder weil wir Angst haben, andere zu verletzen. Aber ich will uns heute als Community herausfordern nach der Wahrheit zu streben. Ohne Angst auch mal etwas auszusprechen, was unangenehm sein könnte.
Die Wahrheit ist nicht immer angenehm; sie deckt Dinge auf, die im leben falsch laufen.
Jesus sagt in Matthäus 5, 37: "Eure Rede sei: Ja, ja, und nein, nein." Anscheinend wurde damals schon viel geredet und wenig davon umgesetzt. Menschen haben Dinge versprochen, aber sie danach ziemlich schnell wieder vergessen. Vorsätze werden gemacht, Entscheidungen getroffen, Besserung geschworen - doch es passiert leider viel zu wenig. Letztlich ist es doch zu anstrengend, zu teuer, zu zeitintensiv und wie sie alle heißen, die kleinen Rechtfertigungen, die unser Gewissen ruhigstellen, damit wir uns weiter in unserem Alttagstrott an Belanglosigkeiten ergötzen können. Wie cool wäre es, wenn wir dafür bekannt wären, dass wir zu unserem Wort stehen, uns vornehmen, was wir auch schaffen können, auch mal Nein zu jemandem sagen können, motiviert durch kleine Erfolge durchs Leben gehen und unser Leben in Liebe und Wahrheit leben? Die Wahrheit zu sagen heißt nämlich auch, es nicht nur so zu meinen, sondern auch danach zu handeln. 

Let's never stop doing the good
Lasst uns darüber nachdenken, was wir sagen. Unsere Worte haben Auswirkungen, die wir oft nicht überblicken können.
"Ich sage euch: Alles, was ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein." (Matthäus 18, 18)
Lasst uns unsere Worte benutzen, um zu lösen, um Menschen freizusetzen, um sie wieder aufzurichten, um sie zu befähigen. Lasst uns unsere Worte selbst in den Dienst Gottes stellen, damit er dadurch Großes vollbringen kann.
Und wenn du selbst nicht weißt, was du sagen sollst, oder wie deine Worte die Dunkelheit vor dir erhellen könnten, dann gibt es immer noch eine andere Art Worte. Eine, die die Macht hat, wirklich alles zu verändern, jeden einzelnen gebrochenen Halm wieder aufzurichten. Worte, die wir an unseren Gott richten. An unseren Vater, der unsere Gebete hört und der handelt, wenn wir ihn darum bitten - mit einfachen Worten.

Deine Worte können Berge versetzen. Vergiss das nie!

Be blessed
Manuel


Bildquelle:

Kommentare

Das könnte dich auch interessieren

Beten und doch ohne Ruhe? (TDW 46/2017)

Wenn Nachfolge lebendig wird