Ich glaube, aber ich brauche keine Kirche

Lesedauer: 6min

Ach wirklich?

Mal wieder keinen Bock so früh aus dem Bett zu steigen um in den Gottesdienst zu gehen? Wozu das alles? - Lass uns auf Entdeckungsreise gehen. Weg von all den Klischees, und der sonntäglichen Müdigkeit und hin zu den Wurzeln dieses Movements, dem Plan von Gemeinde, den Gott sich ausgedacht hat. Denn Kirche ist mehr als ein großes Gebäude mit bunten Fenstern. Kirche ist der Ort, der unsere Gesellschaft verändern soll.

Hey du,
Sonntags, zehn Uhr in Deutschland: Während die Straßen noch ziemlich leer sind, erzählen mir Facebook und Co., dass heut das Motto "geht das auch vom Bett aus?" angesagt ist und dass man sich sonntags ja generell nur zwischen Bett, Sofa und Kühlschrank hin und her bewegt. Dazu wird mir noch die ultimative sundaychillout-Playlist vorgeschlagen, das perfekte Pancake-Rezept verraten und (falls das Wetter außergewöhnlich toll ist) ein herbstlicher Spaziergang im Wald empfohlen... hello #cozysunday! Komisch, entspricht irgendwie nicht so meinem typischen Sonntag. Meistens ist es eher so, dass ich um zehn mein Bett schon verlassen hab, dass das Frühstück vor allem aus Kaffee besteht und ich unterwegs zum Gottesdienst bin. Aber wie kommt man nach einem langen Samstagabend so früh ausm Bett und wozu überhaupt? Nur, um dann im Gottesdienst wieder einzuschlafen? Macht man das freiwillig? Und wenn man unbedingt will, kann man das doch mittlerweile auch von Zuhause aus streamen...
Fragen über Fragen. Und die Antworten darauf fangen nicht damit an, wann ich samstags schlafen gehe, oder ob ich auch vom Bett aus den Gottesdienst streamen kann. Für mich fängt das damit an, was Kirche überhaupt bedeutet, warum es sie gibt. Denn, obwohl ich damit aufgewachsen bin, war mir das 'warum' dahinter nicht immer so klar. Lass uns auf Entdeckungsreise gehen. Weg von all den Klischees, und der sonntäglichen Müdigkeit und hin zu den Wurzeln dieses Movements, dem Plan von Gemeinde, den Gott sich ausgedacht hat. Menschen, die zusammenkommen um Gemeinschaft zu haben, untereinander und mit Gott, um gemeinsam Schritte zu gehen, in Glauben und im Leben, Menschen, die geschaffen sind, Großes zu reißen und mit Gott die Welt zu verändern.

Gemeinde ist ein Ort des Wachstums
Ich hab heute wieder einen Bibelvers für dich am Start aus der Apostelgeschichte 2, 42: "Alle, die zum Glauben an Jesus gefunden hatten, ließen sich regelmäßg von den Aposteln unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft. Sie feuerten das Abendmahl und beteten miteinander." Starke Worte oder? Ich liebe die Apostelgeschichte. Weil die Story hinter diesem Buch der Bibel einfach der Hammer ist. Denn es geht um eine Gemeinde, die geprägt ist von Wachstum, von Leben, voller Dynamik, das geht einfach ab! Und das ist es auch, was mich so begeistert. Diese lebendige Gemeinde. Und ich glaube, dass diese Bibelstelle auch ein Schlüssel sein kann für die Gemeinde heute. Denn sie bringt den tiefsten Kern von Kirche auf den Punkt. Gemeinsam wachsen, im Glauben und im Leben. Ich könnte jetzt viele Komponenten für Wachstum im Glauben aufzählen, aber ich glaube, sie sind alle eingebettet in Beziehung.
Gemeinde ist ein Ort der Beziehung und der Gemeinschaft. 
Und in diesem sozialen Geflecht passiert ein Austausch, Kommunikation, Fortschritt und Wachstum im Glauben. Ich wünsche mir, dass du nicht einfach in eine Gemeinde gehst, weil ich dir gesagt habe, dass du in eine Gemeinde gehen sollst, sondern dass du verstehst, worum es geht. Gemeinschaft ist ein Fundament auf dem wir im Glauben wachsen können. Gott hat uns als Beziehungswesen geschaffen, er will mit uns Gemeinschaft haben, aber er zeigt uns auch, wie wichtig es ist, mit anderen Chisten Gemeinschaft zu haben.

Kirche ist Gemeinschaft
Bei Kirche geht’s weniger um die Institution, eine bestimmte Gemeindeform, Kirchenzugehörigkeit, ein Gebäude oder einen festgelegten Rahmen. Es geht um Gemeinschaft mit Menschen, an Sonntagen und auch im Alltag.
Wir Menschen sind einfach dazu gemacht, in Gemeinschaft zu leben, Beziehungen zu haben, Leben zu teilen und nicht allein unterwegs zu sein. 
Und das ist übrigens auch was, was du verpasst, wenn du dir Predigten und Gottesdienste allein vom Sofa aus anschaust.

Kirche ist Familie
Gott nennt uns Töchter und Söhne, seine Kinder, wenn wir an ihn glauben. Das heißt wirklich alle, die an ihn glauben, gehören zur Familie! Eine riesige Familie, die über die ganze Welt verteilt ist, die du an vielen unterschiedlichen Orten treffen kannst. Menschen unterschiedlicher Nationalität, jeden Alters und unabhängig vom sozialen Status. Kirche, das sind du und ich. Menschen, die durch den Glauben an Gott verbunden sind, die ihre Identität als Gottes Kind entdecken, in seiner Gegenwart Zuhause sind und dieses Zuhause, diese Familie, mit anderen teilen wollen. In der Kirche kennt man nicht immer jeden, aber man ist trotzdem verbunden. Das bedeutet auch, dass man sich vertrauen kann, dass man in seiner Persönlichkeit angenommen ist und die Freiheit hat, zu wachsen und sich zu verändern. Kirche sind so unterschiedliche Menschen, die man sich - vielleicht wie die eigene Familie - nicht ausgesucht hätte, die nicht perfekt sind und nicht alle genauso denken wie man selbst. Das kann schon echt herausfordernd sein! Aber wie in einer Familie kann man auch in Kirche lernen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen und wertzuschätzen. Kirche kann der Ort sein, an dem man erlebt und lernt, wie Gott sich Familie und Beziehung vorgestellt hat.

Kirche ist Trainingslager
Jesus ist das Fundament, auf dem die Kirche aufgebaut ist. Sein Wort, die Bibel, soll die Grundlage für alles in der Kirche sein. Jesus hat ein Interesse an uns, an jedem Lebensbereich, an unseren Zielen und Wünschen. Sein Plan für uns ist, dass wir in unserer persönlichen Berufung, an unserem Platz und in unserem Umfeld aufblühen, geistliches Wachstum erleben und immer mehr zu dem Menschen werden, den er schon längst in uns sieht. Dafür darf Kirche der Ort sein, wo Potential und Begabungen entdeckt werden, wo sie gefördert und entfaltet werden. Kirche kann durch Predigten, Seminare und ganz viele andere Angebote das weitergeben, was wir für unseren Alltag brauchen. Gottes Wort ist heute in unserer Gesellschaft relevant, in unserem Alltag, in jedem Lebensbereich. Und das dürfen wir in Kirche entdecken.

Kirche ist ein Auftrag
Solange Jesus noch auf der Erde war, ist er lange mit den Jüngern zusammen gewesen. Jesus war in ständiger Gemeinschaft mit ihnen, selbst zum Beten hat er oft ein paar von ihnen mitgenommen. Die Gemeinschaft war nicht an einen Ort oder eine Zeit gebunden, an gewisse Strukturen… sie teilten einfach ihr Leben, ihren Alltag miteinander. Die Jünger hörten Jesus zu, er lehrte und ermutigte sie. Sie diskutierten, stellten Jesus ihre Fragen und er antwortete ihnen. Er korrigierte sie, wo es nötig war, und erinnerte sie an seine Verheißungen, an seine Wahrheiten. Jesus schickte seine Jünger immer wieder los, forderte sie heraus, gab ihnen Aufträge und ließ sie in der Kraft des Heiligen Geistes handeln. Sie erlebten sein Wirken, seine Wunder. Sie erlebten, wie Menschen sich für und gegen Jesus entschieden. Jesus teilte alles mit seinen Jüngern, was er von Gott bekommen hatte und die Jünger teilten es mit den Menschen, denen sie begegneten. Als Jesus nicht mehr auf der Erde war, führten die Jünger genau das weiter. Jesus hatte sie beauftragt zu lehren, zu taufen, seine Zeugen auf der Erde zu sein. Genau den Auftrag, den Jesus den Jüngern gab, haben Christen heute. Wir sind beauftragt, in Einheit zusammen zu stehen. Wir sind beauftragt, einander zu lieben und dadurch auf Jesus aufmerksam zu machen. Wir sind beauftragt, Leben zu teilen, uns gegenseitig zu ermutigen, zu helfen, füreinander zu beten.
Wir sind beauftragt, einen Unterschied zu machen, relevant für die Gesellschaft zu sein. 
Das ist unser Auftrag als Gemeinschaft und das ist der Auftrag für jeden persönlich - denn Kirche kann nur dann ihren Auftrag erfüllen, wenn jeder seinen Platz einnimmt, seinen persönlichen Auftrag entdeckt und wahrnimmt. So wie der Körper mit unterschiedlichen Körperteilen geschaffen ist, die in ihrer Unterschiedlichkeit alle bestimmte Aufgaben und Funktionen haben, setzt sich die Kirche aus ganz unterschiedlichen Menschen zusammen. Jeder hat seine eigene Begabung und Bestimmung, jeder ist wichtig.

Kirche ist relevant
Das, was die Kirche relevant macht, ist ihr Wesen. Jeder Christ, jeder Nicht-Christ, jede Gesellschaft braucht Gemeinschaft. Jeder braucht ein Zuhause und eine Familie. Jeder braucht einen Ort, an dem er angenommen wird, an dem er die Herausforderungen des Lebens nicht alleine tragen muss, an dem er Unterstützung erlebt. Jeder braucht Ermutigung und die Möglichkeit, sein Potential und seine Begabungen zu entdecken und aufzublühen. Jeder braucht einen Auftrag, wo sein Beitrag zählt. Jeder braucht eine Begegnung mit Jesus. Und genau das darf Kirche sein.

Warum auch du in eine Gemeinde gehen solltest
Ich komme aus einem Hintergrund, wo Hauskreise oder Smallgroups, wie du es auch nennen willst, immer negativ belastet waren. Für mich war das Ding immer: Du kommst dreimal, dann geht keiner mehr hin, weil keiner mehr Bock hat und dann wars gut. Aber heute glaube ich, der Grund war, dass die Leute nie dorthin geleitete wurden, wo sie wachsen können und wo man gemeinsam Schritte im Glauben geht. Smallgroup war für mich immer: Wir kommen halt ein paar mal zusammen, singen ein paar Lieder, was ja auch super cool ist, aber der Wachstumseffekt, miteinander zu kommunizieren, sich auszutauschen, leben zu teilen und geimeinsam Schritte auf Gott zuzugehen, der war nie gegeben.
Bei Kirche und Gemeinde hatte ich lange Zeit träge Gottesdienste vor Augen. Ernste, bedrückte Stimmung. Starre Strukturen. Alte Lieder. Predigten, die wenig mit meinem Leben zu tun haben. Familien, die gegangen sind. Sture Leute und auch viel Oberflächlichkeit. Wenig dynamische Entwicklungen.

Ich war frustriert und enttäuscht. Hab mich selbst abgeschirmt - zwar immer nett die Hand gegeben, aber die Leute wussten nur wenig von mir. Ich war in meinen Gedanken im Gottesdienst abwesend. Hab mich auf den Nachmittag gefreut, entweder aufs Zocken oder nen neuen Film - das war so das Highlight. Ich kannte Gemeinde aber eben auch nur so. Auf Freizeiten war es immer ganz anders. Das hat mich frustriert und ich hab mich gefragt: Wozu gibt's diese Gottesdienste überhaupt? Was hat das mit meinem Leben zu tun? Aber ich habe die Erfahrung gemacht:
Lebendige Beziehung und gemeinsamens Wachstum ist das Fundament für Gemeinde.
Kirche ist nicht nur einmal am Sonntag Gottesdienst, sondern Gemeinde ist Beziehung bauen mit Leuten, die genauso Jesus nachfolgen. Deshalb auch der Titel, der ist ja bewusst etwas provokant: Warum auch du in eine Gemeinde gehen solltest. Was ich damit aber nicht aussagen will ist: "Geh in eine Gemeinde, geh in den Gottesdienst und dann setz ein Häckchen darunter", sondern: "Geh in eine Gemeinde und erlebe das, was Gott sich vorgestellt hat."

One in Christ
Wenn ich heute so zurückschaue kann mir keiner erzählen, dass er keine Gemeinde braucht. Ich spüre einfach, dass Gemeinde der Dreh- und Angelpunkt für geistliches und christliches Leben ist. Das geht schlecht in Freizeiten, Events und Highlights, sondern im Alltag. Und das bedeutet mir das: Jesus hat sein Blut gegeben, damit Gemeinde entstehen kann. Gemeinde ist eine tiefe Gemeinschaft. Gemeinde ist mein Lebensraum. Gemeinde ist mein größtes Hobby geworden, weil ich da meine Gaben wirklich ausleben kann. Unbeschreiblich - nur erlebbar.
Klar, meine Gemeinde ist nicht perfekt. Wir sind immer noch auf dem Weg. Manches würde ich immer noch anders machen oder austauschen. Aber ich habe gemerkt, wie unglaublich bereichernd Gemeinde ist. Ich erlebe ein echtes Gemeindeleben. Echte Begegnungen statt nur Veranstaltungen. Das ist ein riesengroßer Segen. Deswegen ist Gemeinde für mich total wichtig und groß geworden.
Ich will dir heute sagen, dass es nicht darum geht, alleine seinen Glauben zu leben und alles alleine durchzustehen, sondern als Einheit zusammenzustehen um immer näher zu dem zu kommen, was Gott möchte. Dass wir gemeinsam hin zu Gott wachsen, dass wir ihm ähnlicher werden, als Gemeinschaft unser Umfeld bewegen und unseren Glauben leben und teilen.

Investier dich
Ich will dich heute herausfordern: "Investier dich, statt zu konsumieren". Wenn du anfängst eine Gemeinde als deine Gemeinde zu sehen, wird Gemeinde bewegt. Du solltest dich nicht irgendwie enttäuscht und resigniert zurückziehen, sondern dich neu empören, positiv rebellisch sein und auch mal was diskutieren. Such Gespräche und Beziehungen. Du zeigst damit, dass du nicht über alles meckern willst, sondern etwas anpacken möchtest. Das ist ein Unterschied und wichtig.
Steh nicht um Gemeinde rum wie am Fußballfeld und kritisiere deine Mannschaft wie ein Zuschauer, sondern springe aufs Feld und misch mit. Ich kann ja nur etwas verändern, wenn ich mitmachen will.
Außerdem zählt sehr viel Liebe und Geduld. Das klingt zwar so nach den Standardantworten, aber ich musste es selber lernen: Man kann nicht die Anti-Veränderungstypen schnell verändern. Wir hätten diese Typen mit unserem Veränderungswillen schon längst umgehauen. Deswegen braucht man wirklich Geduld. Bei mir waren es Jahre. Jahre, in denen sich wirklich etwas verändert hat.
Also noch mal kurz: Liebe, Geduld, Investieren und identifizieren mit Gemeinde.

Spread the community
Ich weiß ja nicht, wie es dir so geht... aber ich habe schon oft erlebt, dass Kirche nicht mehr dem entspricht, was sich Jesus wahrscheinlich dabei gedacht hat. Wir sind eben auch nur Menschen, nicht perfekt. Und das ist manchmal frustrierend, kann enttäuschen und verletzen. Aber ich glaub trotzdem, dass wir an Jesus und seinem Auftrag für Kirche festhalten sollten, dass wir ihn immer wieder in den Fokus rücken und ihn nicht durch Gebäude, Menschen oder Strukturen begrenzen sollten. Denn ich glaube, dass wir in unserer Unperfektheit und unseren Grenzen dann umso mehr seine Größe und Gnade kennenlernen werden und dass das jede Stadt, jeder Ort mitbekommen wird.
Ich glaube nicht nur, dass du und ich Kirche brauchen. Ich glaube, dass Kirche auch uns braucht.
Also: Schau mal wieder in deiner Kirche vorbei. Versuch deinen persönlichen Auftrag da zu leben, wo du gerade bist. Oder such dir deine Kirche, wenn du noch keine hast. Wenn du nicht weißt, wo und wie du eine Kirche finden kannst, dann schreib mir doch eine Mail oder per WhatsApp! (Meine Kontaktdaten findest du hier) Vielleicht kann ich dir ja bei der Suche ganz konkret weiterhelfen!

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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