Gebet, das etwas bewirkt

Lesedauer: 7min

Wie wir mit Worten die Welt verändern

Manche Gebete wirken, manche Gebete wirken nicht. Warum überrascht uns das? Ärgert uns sogar? Lass uns auf eine Reise gehen. Eine Reise zu der Sehnsucht in uns, zu beten. Und eine Reise zu Gott. Denn hinter Gebet steckt so viel mehr, als ein paar leere Worte!

Hey du,
letzten Sommer habe ich mir beim Sport den Arm verletzt. Ein paar Wochen lang habe ich das Problem ignoriert, bis ich mich schließlich doch gezwungen sah, zum Arzt zu gehen. Ich dachte, ein paar Termine bei ihm würden das Problem aus der Welt schaffen, es war ja schließlich nichts Ernstes, nur eine Muskelzerrung, Überbelastung, kein Kno­chenbruch. Aber die Behandlung dauerte eineinhalb Monate. Und das ärgerte mich maßlos. Meinen Arm ärgerte ich ebenfalls - indem ich ihn benutzte, bevor er ganz geheilt war. Ich reizte den Muskel immer mehr, weil ich nicht bereit war, mein Leben den Tatsachen anzu­passen - in diesem Fall der Tatsache, dass ein winziger Muskel in meinem linken Arm Schonung brauchte. Vielleicht kennst du die kennen diesen Frust, von dem ich spreche.
Irgendetwas in der menschlichen Natur hat etwas dagegen, dass wir uns den Realitäten der Welt um uns herum (und in uns) beugen sollen. Wir wollen, dass unsere Freunde freundlich zu uns sind, ohne dass wir uns mit der Frage beschäftigen müssen, wie unser Charakter und Verhalten auf unsere Freunde wirken. Wir wollen Erfolg ohne Opfer bringen zu müssen.

Easy praying
Und mit dem Gebet ist es nicht anders. Wir hätten es gern leicht, easy, ungefähr nach dieser Formel: 1. Gott liebt uns und er ist mächtig. 2. Wir brauchen seine Hilfe. 3. Wir bitten darum, so gut wir können. 4. Der Rest ist seine Sache. Er ist schließlich Gott. Ihm ist alles möglich.
Das Problem ist nur: Manchmal erhört Gott unser Gebet, manchmal tut er es nicht - und wir haben nicht die geringste Ah­nung, warum oder nach welchem Muster er mal so und mal so han­delt. Wir verlieren den Mut und geben das Beten ganz auf.
Wir missachten genau den Schatz, den Gott uns gegeben hat, damit wir gerade nicht den Mut verlieren, damit wir "Berge" auf unserem Weg versetzen und die Welt in eine Richtung verändern können, wie wir sie uns so dringend ersehnen. Die unbequeme Wahrheit lautet: Das ist eine sehr naive Auffassung vom Beten. Denn sie lässt einige entscheidende Fakten außer Acht.

Gebet geht auf´s Ganze
Gott ist mächtig, ich bitte ihn um Hilfe und dann ist er am Zug - dieses Muster erinnert mich an eine Szene aus dem Film "Patch Adams".
Patch ist ein junger Medizinstudent mit einem Herzen aus Gold. Er möchte Menschen am Rand der Gesellschaft medizinische Versorgung bieten. Er sammelt eine Gruppe gleichgesinnter Idea­listen um sich und sie beginnen, ihren Traum umzusetzen. Dann schlägt das Schicksal zu. Patchs Freundin wird ermordet - und zwar von einem schizophrenen Mann, einem der Leute, denen Patch und seine Freunde helfen wollen. Die folgende Szene nimmt uns mit auf einen Felsen. Patch steht am Rand des Kliffs. Die Stimmung ist voller Unheil, man erwartet, dass er sich jeden Moment hinunterstürzt. Patch streitet mit Gott. Ich mag diese Szene sehr - er kommt aus der Deckung, er kämpft mit dem richtigen Gegner. Bis deutlich wird, dass er die Welt völlig falsch versteht: Patch blickt zum Himmel auf: "Bitte, gib mir eine Antwort - sag mir, was du im Schilde führst." Schweigen. "Okay, betrachten wir's mal logisch: Du erschaffst den Men­schen. Der Mensch erleidet enorm viel Schmerz. Der Mensch stirbt. - Vielleicht hättest du ein wenig länger brainstormen sollen, bevor du diese Welt erschaffen hast." Pause." Am siebten Tag hast du dich ausgeruht. Vielleicht hättest du den Tag besser verwendet, um uns zu bemitleiden."
Patchs Weltsicht ist lückenhaft - gefährlich lückenhaft. Sie lässt ein paar schrecklich entscheidende Fakten der Geschichte außer Acht: "Du erschaffst den Menschen. Der Mensch beschließt, gegen dich zu rebellieren. Wir liefern unser Leben, diese Welt und die Geschichte der Menschheit dem Bösen aus. Unser ganzes Elend beruht auf dieser Tatsache. Aber du greifst ein - du sendest dei­nen Sohn, um uns zu retten. Seitdem befinden wir uns in einem weltgeschichtlichen Kampf um diese Menschheit und um diesen Planeten."
Siehst du, welchen Unterschied die wenigen "Auslassungen" ma­chen? Ohne diese Elemente der Geschichte können wir Dinge wie das Leid nicht verstehen. Ebenso wenig wie die Frage, warum manche Gebete wirken und manche nicht. Wir müssen das Ganze betrachten. Gebet geht auf´s Ganze.

Es gibt Antworten
Das Gebet stellt uns vor ein furchtbares Dilemma. Wir wollen be­ten, das liegt in unserer Natur. Wir wollen verzweifelt gern glauben, dass Gott sich für unsere Sache einsetzt. Aber dann... sieht es nicht danach aus, als ob er das täte. Und was machen wir dann? Ich glaube, gerade in diesem Dilemma steckt Gott. Ich glaube, er will, dass wir dranbleiben, dass wir damit ringen, so lange, bis wir wirkliche, tragfähige Antworten gefunden haben. Die Wirklichkeit, in der wir leben, ist weitaus komple­xer, als die meisten Menschen glauben. Oft haben wir wie Patch ein gefährlich lückenhaftes Verständnis von unserer Situation, zum Beispiel: "Gott ist allmächtig. Er hat nicht eingegriffen. Also war es wohl nicht sein Wille, etwas zu tun." 
Aber Gott lässt sich nicht auf diese schlichte Formel bringen. Mal angenommen, die Dinge könnten auch anders sein, mal angenommen, wir könnten in der Tat Berge versetzen und mal angenommen, wir könnten eine Rolle darin spielen, dass dies geschieht.

Gebet in der Bibel
Vielleicht finden wir Antworten oder wenigstens eine neue Perspektive auf die Dinge in einer Geschichte aus dem Alten Testa­ment. Während der Herrschaft von König Ahab (ca. 860 v. Chr.) litt der Nahe Osten unter einer Dürre, die dreieinhalb Jahre anhielt. Die Ernte verdorrte, im Land herrschte Hunger, die Tiere mussten geschlachtet werden, weil sie nicht genug Futter fanden. Aber ein Ende war in Sicht. Gott hatte dem Propheten Elia gesagt, dass die Zeit der Dürre zu Ende sei. "Nach mehr als zwei Jahren sagte der Herr zu Elia: Geh jetzt, und zeig dich Ahab! Ich will es wieder regnen las­sen" (1. Könige 18, 1).
 Endlich hatte sich Gott erbarmt. Es würde regnen, einewahre Sturzflut nahte bereits heran - Regen von der Art, dass Ochsenkarren bis zu den Radachsen im Schlamm versinken und die Kinder eine Woche schulfrei krie­gen. Aber bevor das geschehen konnte - und das ist der erste fas­zinierende Zug an der Geschichte -, bevor es so weit war, musste Elia beten. Warum das denn? Konnte Gott es nicht einfach regnen lassen? Schwer zu sagen. Bleiben wir also bei der Geschichte...
Während Ahab aß und trank, stieg Elia zum Gipfel des Karmel hinauf. Dort oben kniete er nieder und betete. Nach einer Weile befahl er seinem Diener: "Steig auf den höchsten Punkt des Berges, und blick über das Meer! Dann sag mir, ob du etwas Besonderes siehst." Der Diener ging, hielt Ausschau und meldete: "Kein Regen in Sicht!" Doch Elia schickte ihn immer wieder: "Geh, sieh noch einmal nach!" Endlich, beim siebten Mal, rief der Diener: "Jetzt sehe ich eine kleine Wolke am Horizont, aber sie ist nicht größer als eine Hand." Und doch, da kam auch schon ein starker Wind auf, und schwarze Wolken verfinsterten den Himmel. Es dauerte nicht mehr lange, und ein heftiger Regen prasselte nieder. (1. Kö­nige 18, 42-45).
Ich liebe diese Geschichte. Sie ist so bodenständig und unglaub­lich hilfreich, wenn es darum geht zu verstehen, was Beten ist und wie es funktioniert.
Gott will handeln, das steht fest. Aber er be­steht darauf, es nicht ohne Elias Gebet zu tun. 
Das erinnert mich an ein Wort von Augustinus: "Ohne Gott können wir nicht. Ohne uns will Gott nicht." Gott will deine Schritte für seine Wunder.

One little prayer can change the world
Wir befinden uns in einem Universum, das so gestaltet ist, dass das Gebet darin eine wesentliche Rolle spielt, manchmal die ent­scheidende Rolle. Unsere Entscheidungen zählen.
Elia schickt nicht ein paar Stoßgebete zum Himmel. Kein schnelles "Jesus, bitte geh mit uns in diesen Tag". Elia ist ent­schlossen, Ergebnisse zu sehen. Er kniet nieder und betet und dann schickt er seinen Diener, damit der feststellt, ob sein Gebet funkti­oniert - hat es irgendwelche Auswirkungen?
Ich liebe diese Haltung. Seine Bereitschaft, alles daranzusetzen, zu sehen, was geschieht, und dann anhand der Ergebnisse den nächsten Schritt zu tun. Der Diener kommt zurück und berichtet, der Himmel sei so klar und blau, wie seit Jahren. Das ist der Punkt, an dem die meisten von uns aufgeben. Aber Elia lässt nicht locker. Aufgeben ist keine Option. Noch eine Gebetsrunde, noch einmal muss der Diener Ausschau halten. Nichts. Elia zieht den Mantel aus, stemmt sich in die Riemen und betet weiter. So schnell lässt er sich vom Augenschein nicht entmutigen. Noch sechs Mal wiederholt er sein Gebet. Wir würden inzwi­schen längst bei Starbucks hocken, vor uns hin jammern und uns fragen, was wir nur mit dem "Schweigen Gottes" anfangen sollen. Ganz anders unser al­ter Israelit. Der ist noch immer auf seinem Berg und hält durch. Nach acht Gebetsrunden - und Runden scheint mir tatsächlich ein angemessener Ausdruck, nach Schweiß, verbissenem Siegeswillen und ganzen Einsatz -, nach acht Runden also sagt der Diener: "Tatsächlich, da ist eine kleine Wolke am Horizont, kaum eine Hand groß." Mehr braucht es nicht und der Sturm ist im Anmarsch. Bääm. Manchmal steht der Durchbruch bevor, du musst nur fünf Minuten länger kämpfen.
"Ausdauer wird füher oder später belohnt - meistens aber später." (Wilhelm Busch)

Pray for it!
Seien wir ehrlich - manche Gebete wirken, manche wirken nicht. Es mag uns peinlich sein, das zuzugeben, aber wir wissen, dass es so ist.
Wenn wir uns überhaupt für Gebet interessieren, dann für ein Gebet, das wirkt. Ich will dir heute sagen, dass das so falsch ist.
Das bringt uns zurück zu Elia, dem Propheten aus Tischbe in Gilead. Es gibt eine oft übersehene Aussage im Neuen Testament, die unser Bild von Gebet auf unerwartete Weise bereichern kann. Wir finden sie im Jakobusbrief und sie bringt uns zurück zu dem alten Propheten bei seinem Gebetskampf auf dem Berg Karmel: "Das Gebet eines Menschen, der sich nach Gottes Willen richtet, ist wirkungsvoll und bringt viel zustande. Elia war ein Mensch wie wir, und als er Gott im Gebet anflehte, es möge nicht regnen, fiel drei Jahre und sechs Monate lang im ganzen Land kein Regen. Danach betete er erneut, und diesmal ließ Gott es regnen, und das Land brachte wieder seine Früchte hervor." (Jakobus 5, 16-18).
Jakobus gibt seinen Lesern Nachhilfe in Sachen Gebet. (Im­merhin hatte er ein paar beeindruckende Demonstrationen für die Macht des Gebets selbst miterlebt. Er war schließlich mit dem Mann aufgewachsen, der aus dem Lunchpaket eines Knaben ein großzügig kalkuliertes Buffet für fünftausend Männer samt An­hang machte.) Jakobus erinnert an die Geschichte von Elia und kommt dann zu einer atemberaubenden Schlussfolgerung: Du bist nicht anders als Elia. Du hast das Zeug ein Glaubensheld zu sein. Durch das Gebet hast du die Macht, wie Welt zu verändern!
Nur sagt er es andersherum: "Elia war ein Mensch wie wir." Jakobus will eine Hal­tung entkräften, die auch wir heute noch so oft vertreten: "Ja, sicher, das galt für Den-und-den (in diesem Fall Elia), aber der war ja auch kein Normalsterblicher."
Aber ich will dir heute sagen: Nö. Gilt nicht. Trifft einfach nicht zu. Deutlicher kann man es ja wohl kaum sagen: "Elia war ein Mensch wie wir", wie du und ich. In anderen Worten: Was Elia möglich war, ist uns auch möglich.

Gebet kann Berge bewegen

Ich will dich gar nicht überzeugen, dass du beten sollst. Wenn die Probleme der Menschen, die du liebst, das Leid der Welt oder deine eigenen Träume, Wünsche oder Anfechtungen nicht Grund genug sind, dann habe ich nichts zu sagen, das mehr Überzeugungskraft haben könnte. Was ich aber tun kann: Ich kann dir helfen, tiefer zu verste­hen, was Beten bedeutet. Denn Gebet ist mehr, als nur ein paar leere Worte.
Ich will dich heute ermutigen, dich challengen dir zwei Fragen zu stellen:
Zum einen: Was ist das eine Gebetsanliegen, das dir in letzter Zeit auf dem Herzen liegt?
Und zweitens: Was ist das eine Gebetsanliegen, das du vielleicht schon aufgegeben hast? Für das eine Zeit lang gebetet hast, aber wo du aufgehört hast zu beten.
Ich will dich dazu ermutigen, dass du jetzt mit Gott ausmachst, dass du wieder anfängst, für dieses Gebetsanliegen zu beten oder dass du mit Gott ausmachst für dieses Gebetsanliegen zu beten, bis er eingreift, bis etwas passiert. Und als kleiner Kommentar: Ein "Nein" oder ein "Warte!" kann auch eine Gebetserhörung sein. Erwarte Großes von Gott und dann fang an und bete dafür! Gott wird dir einen Durchbruch schenken. Vielleicht stehst du kurz davor aufzugeben, aber ich will dir heute sagen: Gib nicht auf! Es gibt keinen Unterscheid zwischen einem Glaubenshelden und gewöhnlichen Menschen. Der Held kämpft lediglich 5 Minuten länger. Ich will dich heute ermutigen, dass du dranbleibst und durchhältst beim beten.
Jesus will, dass wir beim Hände falten durchhalten.
Ich wünsch dir, dass du erlebst, dass du erlebst, wie sehr es sich lohnt, dranzubleiben und durchzuhalten. Und ich wünsch dir, dass du erlebst, wie Gott großartige Dinge in deinem Leben bewirkt. Gebet kann Berge bewegen. Worauf wartest du noch?

Be blessed
Manuel 


PS: Teile dieses Artikels wurden mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Mit Gott die Welt verändern" von John Eldredge übernommen.

Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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