Eltern ehren (TDW 45/2017)

Lesedauer: 6min

Was das Gebot, seine Eltern zu ehren, bedeuten kann

"Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, dann wirst du lange in dem Land leben, das ich, der Herr, dein Gott, dir gebe." (2. Mose 20,12).
Ein Vers. Einfach. Simpel. Und doch so unglaublich herausfordernd. Theoretisch ein Vers, der dein Leben verändern kann. Und trotzdem klingt dieses Gebot oft so angenehm wie eine Zitrone im Mund. Doch was steckt hinter dem Gebot und was bedeutet es konkret?

Hey du,
was für ein Gedanke kam dir, als du die Überschrift gelesen hast?
Unsere Eltern bekommen in unserem Leben häufig nicht gerade die Wertschätzung, die sie verdienen. Wir sind defensiv gegenüber vieler ihrer Vorschläge und manchmal ziemlich aggressiv, wenn wir unsere Meinung durchdrücken möchten. Häufig können wir auch ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen. Aber Gott freut sich darüber, wenn wir unsere Eltern ehren. Er trägt es uns sogar auf. Vollkommen entgegengesetzt. Manchmal klingt das 5. Gebot doch auch irgendwie ironisch, oder? Und doch fordert er uns heraus unsere Eltern stets in Liebe zu ehren.
Wenn du diesen Planeten lange rocken willst, erweise deinem Vater und deiner Mutter die Ehre.
Manchmal wünschte ich mir einen schwarzen Edding mit dem ich diesen Satz aus meinem Leben streichen könnte. Zu hören, dass man seine Eltern ehren soll, assoziirte ich mit: "Tu, was deine Eltern dir sagen." Für mich steckte dahinter keine Freiheit zu haben, keine eigenen Entscheidungen treffen zu können, nicht mal Kontra zu geben. Vor allem aber beinhaltete es für mich: Was deine Eltern sagen, ist Gesetz - egal, was du davon hältst.
Aber hinter diesem Gebot: "Du sollst deine Eltern ehren" steckt so viel mehr.

Trainingslager deines Lebens
Als ich zuletzt nach langer Zeit mal wieder im Zoo war, ist mir etwas aufgefallen: Ein kleiner Löwe schaut auf seine Eltern, studiert seine Eltern und kopiert seine Eltern. Ein Löwe wird seine Eltern bis ins hohe Alter nie vergessen. Er wird nie aufhören, für seine Eltern zu kämpften, sie zu beschützen und für sie da zu sein. Denn er lernt von ihnen. Alles was er später braucht.
Löwen töten ein Tier mit einem gezielten "Pfoten-Krallen Schlag" - Löwen spielen aber auch mit den Pfoten. Mit der Pfote kann ein Löwe zehn Mal so viel Kraft ausüben, wie ein durchschnittlicher Mann wiegt. Ein Schlag eines Löwen gegen gewisse Gegner - und das Tier ist tot. Schluss, aus die Maus! Mit derselben Pfote streichelt die Mutter ihrem Sohn den Kopf, krault ihn und ist sehr zärtlich. Ein Löwe lernt: Mit der Pfote kann ich töten, aber auch lieben.
Löwen töten mit ihren Zähnen - Löwen tragen aber auch ein Junges mit ihren Zähnen. Ein kleiner Löwe beobachtet, wie seine Mutter ein ganzes Tier mit einem einzigen Biss zerreißen kann. Mit denselben Zähnen bringt die Mutter ihr Kind anschließend nach Hause. Ein Löwe lernt: Mit den Zähnen kann ich töten, aber auch tragen.
Vieles in unserem Leben wurde uns von unseren Eltern auf den Weg mitgegeben. Wir haben Abertausende von Dingen von ihnen gelernt. Tragischerweise sind wir uns dessen nicht oder viel zu wenig bewusst, geschweige denn dankbar dafür. Das passiert einem Löwen nicht. Er vergisst nie, was seine Eltern für ihn gemacht haben und was sie ihm alles Tolles beigebracht haben. Deshalb wird er sich auch nie klammheimlich aus ihrem Leben davonschleichen.

Happy Family?
Die Familie ist nicht mehr das, was sie einmal war. Früher war sie eine Tankstelle - heute ist sie eine Garage. Eine Art Wohngemeinschaft, in der jeder für sich lebt. Familien zerbrechen, Beziehungen werden unterbrochen.
Klingt das fünfte Gebot nicht manchmal etwas ironisch?
So oft sind wir nicht glücklich mit ihren Eltern. Sie sagen: "Du kennst meinen Vater und meine Mutter nicht. Meine Mutter ist ein schlechtes Vorbild, mein Vater gar keines." Wir fokussieren uns oft auf die negativen Eigenschaften der Eltern.
Vielleicht fühltest du dich oft missverstanden. Oder du durftest nie die Person sein, die du wirklich bist. Vielleicht sagten dir deine Eltern, dass du etwas nicht kannst, obwohl du es gerne mal ausprobieren würdest. Sie glaubten nicht an dich, oder sie erwarteten im Gegenteil viel zu viel Leistung von dir. Und vielleicht hat es dich zutiefst geschmerzt, dass dein Vater oder deine Mutter nur selten Zeit für dich hatten.

Gott hat deine Eltern für dich ausgesucht
Hast du dir auch schon gewünscht, du hättest einen anderen Vater oder eine andere Mutter gehabt? Dieser Wunsch mag schön klingen. Er wird dir aber nicht weiterhelfen.
Gott hat es zugelassen, dass du genau in die Familie hineingeboren wurdest, zu der du jetzt gehörst.
Und das kannst du nicht ändern. Ehre erweist man seinen Eltern nicht aufgrund von geleisteten oder nicht geleisteten Tatsachen, sondern alleine dafür, dass diese Eltern einem das Leben geschenkt haben. Ich möchte dich heute in die Geschichte von Noah mitnehmen. Als Noah aus der Arche stieg, pflanzte er einen Weinberg und stellte den ersten Wein her. Er trank dann einmal so viel davon, dass er sternhagelvoll auf dem Boden seines Zeltes lag. Noah hatte drei Söhne. Als Ham ins Zelt trat und seinen Vater sturzbetrunken und splitternackt vorfand, lief er hinaus und machte sich über ihn lustig: "Unser Vater ist besoffen, schaut ihn euch an!" Sem und Jafet, die beiden anderen Brüder, gingen auch ins Zeit. Weißt du, wie? Mit Ehre und Respekt. Sie schauten die Blöße ihres Vaters nicht an, sondern gingen rückwärts ins Zeit und legten einen Mantel über ihren Vater. Sie verließen das Zeit, ohne ihrem Vater die Würde zu rauben. Sem und Jafet ehrten ihren Vater, auch wenn er sich danebenbenahm.
Ham hatte die Beziehung zu seinem Vater rein auf Respekt aufgebaut. Das heißt, sobald er etwas falsch machte, verlor Ham den Respekt vor ihm. Ham hat Noah nur aufgrund des äußeren Menschen beurteilt, nur aufgrund seiner Taten.
Sem und Jafet haben ihre Beziehung zu Noah auf Ehre aufgebaut. Das heißt, obwohl er etwas falsch machte, ehrten sie ihn immer noch als Vater und als Geschöpf Gottes. Ehre gebührt dem Menschen, den Gott schuf.
Wenn wir Menschen ehren wollen, müssen wir mit den Augen von Jesus durch ihre Taten hindurch sehen - hindurch zu dem Menschen, den Gott geschaffen hat. 
Das heißt nicht, dass wir die Taten anderer ignorieren sollen. Taten kann man als falsch anerkennen, aber den Menschen trotzdem noch ehren.

Ehre und respektiere deine Eltern für dein Leben
Wusstest du, dass Eltern in unseren Breitengraden durchschnittlich 250.000 Euro pro Kind aufbringen müssen, bis das Kind zwanzig ist? Doch die Viertelmillion ist noch gar nichts im Vergleich zu all der Zeit, Liebe und Energie, die deine Eltern in deine Erziehung investiert haben. Bist du dir bewusst. wie viele Stunden deine Eltern darüber diskutiert haben, wie sie deinen Bedürfnissen am besten gerecht werden und wie sie deine Fähigkeiten am besten fördern können? Und noch mehr: Deine Eltern haben dir etwas gegeben, das dir sonst niemand geben kann. Sie haben dir dein Leben geschenkt. Ohne sie gäbe es dich gar nicht.
"Achte deinen Vater und deine Mutter, du verdankst ihnen das Leben!" (Sprüche 23, 2)
Dieser Vers sagt alles, was gesagt werden muss.
Die Ausrede: "Ich habe mir meine Eltern nicht ausgesucht!", kontere ich mit "Sie sich dich auch nicht!"
In unserem Leben gibt es vieles, das unsere Eltern für uns getan haben, was wir vergessen oder verdrängt haben. Das heißt für mich: Ich möchte meine Eltern für den einen Grund ehren, dass Gott sie benutzt hat und ihnen die "Ehre" zukommen ließ, überhaupt Eltern zu werden. Ehre die Person, die dich zur Welt gebracht hat, egal was sie sonst getan hat oder tut oder tun wird.
"Wenn du deinen Vater oder deine Mutter verfluchst, wird es dir ergehen wie einem, dessen Lampe in dunkelster Nacht erlischt." (Sprüche 20,20)

Ehre und respektiere deine Eltern mit Worten...
Auf einer etwa 4000 Jahre alten ägyptischen Steintafel steht Folgendes: "Die heutige Jugend zeigt kaum noch Respekt vor den Eltern. Sie ist von Grund auf verdorben, voller Ungeduld und ohne jede Selstbeherrschung. Über die Erfahrung der Älteren spotten sie. Das sind sehr bedenkliche Zeichen." Das sind nicht deine Eltern, die sich über dich beschweren. Vor 4000 Jahren besaßen ägyptische Eltern scheinbar schon dieselbe Schallplatte mit dem Sprung drin. Was eine Schallplatte ist? Schau bei Wikipedia nach. Auf jeden Fall: Es hat sich nichts geändert. Und deshalb ist es höchste Zeit, dass sich etwas ändert. Lass dich von den kleinen Löwen inspirieren, die ihren EItern hohen Respekt zollen. Wann hast du deiner Mutter zum letzten Mal gesagt, dass sie gut gekocht hat? Probier's mal und sag deiner Mama: "Mein Lieblingsessen ist dir wieder einmal brillant gelungen!" Oder bedanke dich bei deinem Vater, dass er dich finanziell unterstützt. Ab und zu verdienen unsere Mütter und Väter auch eine kreativere Art der Wertschätzung. Du könntest deinen Vater zum Beispiel mal zu einem Fußballmatch einladen. Nicht zum Geburtstag, einfach so, mitten im Jahr, um ihm zu danken. Jeden Tag haben wir die Möglichkeit, unseren Eltern zu zeigen, dass wir sie achten und wertschätzen. Lass uns die Gelegenheit nutzen, ihnen und uns zuliebe. Tue etwas für deine Eltern. Sag "Danke" mit deinen Worten und verstärke es mit Taten, die dich etwas kosten.

... und mit Taten
"Hat eine Witwe aber Kinder oder Enkel, dann sollen diese lernen, zuerst selbst ihren
Angehörigen Ehrfurcht zu erweisen und dankbar für ihre Mutter oder Großmutter zu sorgen, denn das gefällt Gott." (l. Timotheus 5, 4)
Jesus selber gehörte zu einer Kultur, in der sich die Kinder um ihre Eltern kümmerten. Sogar als er in Todesschmerzen und nackt zwischen Himmel und Erde hing, mit der ganzen Last unserer Sünden
auf sich, sorgte Jesus immer noch für seine Mutter. Er bat Johannes, sich um sie zu kümmern, als wäre sie seine eigene Mutter. Dieser berichtet uns, dass er sie von dieser Stunde an in seinen Haushalt aufnahm (vgl. Johannes 19, 27).
Oft haben wir Gründe, weshalb wir für unsere Eltern keine Zeit haben. Ganz im Gegensatz dazu teilten die ersten Christen nicht nur ihre Zeit, sondern auch ihr Geld mit Ihren Eltern. Damals gab es keine Altersvorhersorge, sondern die eigenen Kinder sicherten die Zukunft, indem sie voller Liebe für sie sorgten. Diese Christen nehme ich mir zum Vorbild. Wenn wir bereit sind, unsere Eltern und die Menschen um uns herum zu ehren, ehren wir damit Gott, denn er selber sagt, dass das, was wir den Menschen tun, auch ihm tun. Und wer das tut, den erwartet ein großartiges Ereignis.

Be blessed
Manuel


Challenge: #elternehren
"Du sollst deine Eltern ehren.Vielleicht wäre es mal cool, diese Ehre mal in einem Brief an die eigenen Eltern auszudrücken. Schreibe Unausgesprochenes auf. Nenne das, wofür du dankbar bist. Schreibe das, was dir aktuell Sorge macht. Schreibe Gutes. Schreibe das, was dir leid tut. Schreibe Dinge, die deine Eltern würdigen und niemals erwarten würden. Sei richtig freundlich! Natürlich liegt es an dir den Brief auch von den Inhalten ganz persönlich zu gestalten. Sei gespannt, was dadurch passiert.


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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