Dankbar genießen

Lesedauer: 5min

Wie du Gott mit deinem Genuss ehren kannst

Lasst uns den Moment feiern. Lasst uns neu die Schönheit dieser Welt und dieses Lebens entdecken und bewundern. Und lass uns lernen mit Gott dankbar zu genießen. Denn er selbst hat uns den Auftrag gegeben: "Feiert ein Fest mit mir. Feiert das Leben das ich euch geschenkt habe und für das ich alles gegeben habe, weil ihr mir alles bedeutet!" Lass uns lernen Gott in unserem Genuss zu ehren. Let's go!

Hey du,
dieser Sommerabend ist einfach perfekt. Auf diesem Liegestuhl fühlt sich mein Körper an, als würde er schweben. Der Cocktail rinnt wie ein kalt jauchzender Gebirgsbach meine Kehle hinab. In meinen Ohren säuselt das nette Stimmengewirr meiner Freunde. Auf meiner Zunge explodieren die Röstaromen eines perfekt gegrillten Bürgers. Alles wird durch die gerade untergehende ungarische Sonne und meine Instagramfilter-Sonnenbrille in perfektes Licht gesetzt. Ein perfekter Sommerabend. Purer Genuss... 
Vielleicht klingt es kitschig, aber es ist für mich einer der Momente, an die ich mich am besten erinnere. Es gibt ein Wort, das meiner Meinung nach gut zutrifft: Göttlich. Denn in diesem Moment habe ich etwas von Gottes Schönheit sehen, schmecken und fühlen dürfen. Es war einfach sehr gut. Ein Moment, der nicht teuer oder luxuriös war, der aber alles andere in den Schatten stellte, weil er so voller Frieden, Schönheit und Reinheit war. 

Wir genießen alle. Egal, ob meinen perfekten Sommerabend oder dein spannendes Buch, eine perfekte Winterskifahrt oder einen Kakao mit Sahne, eine Gebirgswanderung oder eine Kunstsammlung, einen Strandurlaub oder ein 5-Gänge-Menü. Wir haben alle unsere Genussmomente. 
Wie aber kommt es zu einem solchen Moment? Gibt es klare Regeln, die zu beachten sind? Müssen wir eine bestimmte Leistung erbringen? Muss es verdient sein oder ist es immer ein Geschenk? Finden wir es nur in der Schöpfung oder auch im Konsum? Wahrscheinlich gibt es keine Anleitung zum Genuss. Wenn doch, kenne ich sie nicht. Denn für jeden von uns kann es etwas anderes sein: Entscheidend ist, kreativ zu werden und weit zu denken. Für den einen ist es die Natur, für den anderen das Essen. ein Abend mit Freunden, Kunst, Musik, ein gutes Fußballspiel, etwas selbermachen. oder, oder, oder. So unterschiedlich unsere Persönlichkeiten sind, so unterschiedlich ist auch das, was wir als Genuss empfinden. Ebenso gibt es Tage, an denen genieße ich es, Musik zu hören, an anderen halte ich es fast nicht aus und brauche die Ruhe. Entscheidend ist nicht, Genuss zu planen, sonden ihn zu ergreifen, wenn er da ist.

Trotzdem bewegen wir uns beim Genuss in einem Spannungsfeld zwischen zwei Polen: Sparsamkeit und Vergnügungssucht. Je nachdem wie wir geprägt sind, tendieren wir eher in die eine oder andere Richtung. Vielleicht bist du christlich aufgewachsen und in deiner Familie und Gemeinde wurde Genuss negativ belegt und vielleicht sogar als ungeistlich bewertet. Dann tendierst du möglicherweise zur Sparsamkeit und Ablehnung von Genuss. Vielleicht ist dein Bild von Genuss eher gesellschaftlich geprägt und du neigst mehr zur Genusssucht, weil Genuss für dich der Lebensinhalt ist. Ganz egal, wo wir uns zwischen den Polen befinden, um wirklich zu genießen, müssen wir in die Mitte kommen und lernen mit Gott zu genießen. 

"Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist" (Psalm 34, 9). Vielleicht ist für dich der Gedanke, dass Gott Genuss gutheißen könnte, revolutionär. Wir neigen dazu solche Verse supergeistlich und überfromm zu lesen und vergessen dabei, dass Schmecken und Sehen in erster Linie auch tatsächlich Schmecken und Sehen meint. Gott will uns sein freundliches Wesen nicht nur irgendwie geistlich zeigen, sondern richtig materiell - schmeckbar und sichtbar.
Gott wünscht sich dass wir das Leben feiern und genießen und unseren Genuss mit ihm in Verbindung bringen. 
Man kann also tatsächlich schmecken und sehen, wie gut Gott ist. Gott hat uns ja nicht umsonst etwa 10.000 Geschmacksknospen in den Mund gepflanzt, oder? Wir müssen sogar noch einen Schritt weiter gehen: Gott findet Genuss nicht nur gut, sondern er sieht Genuss, der mit ihm in Verbindung gebracht wird, als einen Weg der Anbetung. Klingt crazy? Lies mal 5. Mose 14, 22-26 durch. Party zu Gottes Ehre! Als ich diesen Text zum ersten Mal wirklich bewusst gelesen habe, fand ich das unglaublich revolutionär: Gott trägt den Menschen auf, Geld zu nehmen, das eigentlich für ihn reserviert ist, es in einige kulinarische Köstlichkeiten und flüssige Leckerheiten zu investieren und dann fromm, fröhlich und frei ein Fest in der Gegenwart Gottes zu feiern. Was zeigt das über Gott? Gott will, dass Menschen genießen und ihn dabei ehren. Vergnügen, das Gott ehrt, hat seinen Platz. Nicht nur das - es kann sogar ein Akt der Anbetung sein. Kurz gesagt: Deine Freude macht Gott Freude. Oder: Wenn du göttlich genießt, genießt Gott. 
 
Auch im zweiten Teil der Bibel finden wir ähnliche Gedanken wieder. Der Theologe und Gemeindegründer Paulus schreibt an seinen Schützling Timotheus, der möglicherweise etwas zur Sparsamkeit neigte: "Denn Gott gibt uns reichlich, alles was wir brauchen, und wir dürfen es genießen" (l. Timotheus 6, 17). Paulus ist der Meinung, dass Gott uns alles gibt, damit wir es genießen können. Gott gibt die Schokolade und die Geschmacksknospen, damit die Schokolade auch schmeckt. Wichtig ist auch an dieser Stelle wieder die Verbindung zwischen Genuss und Gott. Kannst du dich an leeren Genuss erinnern? Auch dieses Szenario erwähnt Paulus in seinen Briefen an Timotheus. Er spricht von Menschen, die der Genusssucht verfallen sind: "Ihr ganzes Interesse gilt dem Vergnügen, während Gott ihnen gleichgültig ist. (...) Es sind Menschen, deren Denken durch und durch verdorben ist und deren Glaube keiner Prüfung standhält. Doch sie werden nicht weit kommen..." (2. Timotheus 3,4.89).

Just for hype
Wo der Fehler ist? Diese Menschen bringen Gott nicht mit dem Genuss in Verbindung. Sie lieben die Gaben und verachten den Geber. Sie genießen - aber getrennt von Gott. Die Frage ist also nicht, ob die Dinge, die wir genießen, gut oder schlecht sind, sondern was wir daraus machen. Das hat William Shakespeare auch schon gecheckt, wenn er in einem seiner Sonette schreibt: "Lilien, die faulen, stinken mehr als Unkraut." Vergnügen an sich ist kein Problem. Sondern Vergnügen und Genuss getrennt von Gott. Das führt letztlich zu Abhängigkeiten und Unfreiheiten. Der Schlüssel ist, den Genuss durch Jesus hindurch zu sehen, wie durch eine Jesus-Brille. Wenn ich meine Genussmomente mit Jesus teile, ihn bitte, mich zu erfüllen, wird er mir zu jeder Zeit durch den Heiligen Geist deutlich machen, was mich aufbauen und was mich zerstören wird. Gleichzeitig stärkt das meine Beziehung zu Jesus: Ich erlebe Gottes Liebe ganz praktisch. 

Wir lieben es, Videos zu schauen, wie Menschen das Leben genießen: Sie machen heftige Reisen, bauen die coolsten Sachen, backen hammer Torten, spielen die schönsten Lieder - und wir schauen zu und wünschten uns, auch so zu sein. Lass dich nicht vom Maßstab anderer stoppen. Es muss nicht immer das Beste vom Besten sein. Was du genießen kannst und willst, lässt sich nicht an einem Maßstab messen. Wichtig ist, dass wir aufmerksam sind und wahrnehmen, welche Möglichkeiten Gott uns gibt, das Leben genießen zu dürfen. Die Fülle an Schönem nur zu bemerken, um sie dann unbeachtet in die Ecke zu werfen oder unbemerkt verstreichen zu lassen, ist nicht das, was sich Gott dabei dachte. 

Wenn sich im Leben aber alles nur darum dreht zu genießen, hat man irgendwann ein Problem. Würde unser gesamtes Essensangebot nur noch aus Süßigkeiten bestehen, dann wäre es sehr schwer, ein Stück Schwarzwälder Torte als wirklichen Genuss zu erleben. Es wäre dann nur noch ganz in Ordnung - aber eben nichts Neues. Ein Leben, das sich nur noch um den nächsten Kick dreht, um noch mehr Genuss und möglichst wenig Arbeit, Mühe oder Engagement beinhaltet, ist irgendwann erschreckend inhaltsleer und fad. Das ist eben das Besondere am Genuss: Er kommt unverhofft, ist selten planbar und vor allem in Maßen zu genießen.

Beschenkt
Lass mich dieses Thema mit diesem Gedanken abschließen: Beschenkt. Beschenkt zu sein hat nichts damit zu tun, wie viel Geld und wie viele Freunde du hast. Beschenkt zu sein ist eine Einstellung. Paulus sagt: "Ob ich viel oder wenig habe, ich habe alles, was ich brauche. Dich Jesus."

Ich habe, was ich bin. Ich bin ein Sohn des höchsten Gottes.
Ob ich viel habe oder nicht, ich bin genauso beschenkt. Solange mein Herz schlägt, bin ich überreich beschenkt: Ich habe die Luft, die ich zum Atmen brauche. Ich habe den Drang, die Welt für Jesus auf den Kopf zu stellen. Ich spüre diese unbändige Freude, dass Jesus mein Freund ist. Ich habe alles! Lass es uns genießen! Lass es uns feiern! Das Leben, die Schöpfung, Gott. Und lass und dankbar dafür sein.

Dankbar genießen
Dankbarkeit. Hast du je innegehalten und überlegt, was sie für dein Leben bedeutet? Welche Rolle sie in deinem Leben spielt? Wenn du so bist wie ich, dann spielt sie vermutlich keine große Rolle. Ich bitte Gott um vieles. Aber im Vergleich dazu danke ich ihm für sehr wenig.
Unsere Dankbarkeit und die Art, wie wir sie messen, sollte nicht auf irgendwelchen Regeln oder Erwartungen basieren. Sie sollte von Jesus bestimmt sein. Der Zeit mit den Menschen verbracht hat, mit denen niemand etwas zu tun haben wollte, der die Ungeliebten liebte, und mit Charakterstärke zeigte, dass er für nichts und niemanden Kompromisse eingehen würde. Dinge wir Marken, Modelabels, Kapitalerträge, die Anzahl der Freunde auf Facebook, oder Follower auf Instagram sind ihm egal. Es kümmerte ihn nicht, wenn es unangenehm wurde, weil er "Nein" sagte, wenn dadurch Gott geehrt wurde. Und darüber hinaus liebte er eine unperfekte Welt mit einer Leidenschaft, die nicht gestoppt, geschwächt oder begrenzt werden konnte. Jesus Christus, der Retter der Welt, der sein Leben gab, damit sündige und unperfekte Menschen das ewige Leben mit ihm verbringen können. Der uns so unglaublich reich beschenkt hat und der uns den Auftrag gibt, dankbar zu genießen (5. Mose 14, 22-26).
Dafür bin ich ihm für immer dankbar.
Wenn du morgen aufwachen würdest, mit den Dingen, für die du Gott heute gedankt hast, was würdest du haben?
Die Challenge ist, gemeinsam mit Gott herauszufinden, in welche Richtung du neigst. Die der Sparsamkeit oder die der Genussucht? Beginne damit, bewusst mit Gott zu genießen und Genuss nie mehr von Gott zu trennen. Was sind deine Genussmomente? Lade Gott konkret in deinen Genuss ein und danke ihm bewusst dafür, dass er dich so beschenkt. Für viele von uns ist es an der Zeit, das Gebet vor dem Essen wegzulassen. Und vielleicht damit anzufangen, Gott während und auch nach dem Essen zu danken! Ich lade dich ein, ab heute Gott in deinen Genussmomenten bewusst zu feiern. Am Ende eines fantastischen Urlaubstages angefüllt mit Strand, klarem Wasser, Chillen, Lesen, leckerem Essen und tollen Menschen, sitze ich auf der Tersasse unter einem klaren Sternenhimmel und schaue auf das kleine ungarische Städtchen. Ich muss denken: "Danke Gott, dass du so gut zu mir bist." In diesem Moment wird alles Schöne des Tages noch schöner. Ich will nie mehr ohne Gott genießen. Nur Genuss mit Gott ist echter Genuss. 

l. Überlege gemeinsam mit Gott, ob du süchtig nach Genuss bist oder Genuss immer vermeiden möchtest. 
2. Was genießt du besonders? Was sind deine Top-3-Genussmomente? 
3. Suche dir für die nächste Woche einen der Top-3-Genussmomente aus und genieße bewusst mit Gott.
Lasst uns den Moment feiern. Lasst uns neu die Schönheit dieser Welt und dieses Lebens entdecken und bewundern. Und lass uns lernen mit Gott dankbar zu genießen. Denn er selbst hat uns den Auftrag gegeben: "Feiert ein Fest mit mir. Feiert das Leben das ich euch geschenkt habe und für das ich alles gegeben habe, weil ihr mir alles bedeutet!" Lass uns lernen Gott in unserem Genuss zu ehren.

"This is no performance, I'm not chasing feelings. That's not why I'm singing. You're the reason for my song.
I can't imagine why I would do this all for hype. Cause it's all to lift you high." (Only Wanna Sing - Hillsong Y&F)

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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