Amazing grace

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Wie Gnade mein Leben verändert!

Gnade. Heute möchte ich mit dir meine Gedanken zum Thema Gnade teilen. Und das fällt mir schwer. Denn lange Zeit kämpfte ich mit diesem Wort. Kämpfte mit der Sinnhaftigkeit, mit der Tiefe, der Weite, der Breite, der Bedeutung und den praktischen Konsequenzen in meinem Leben von Gnade. Und wahrscheinlich habe ich es immer noch nicht wirklich verstanden was Gnade letztendlich ist. Aber ich glaube, ich bin näher dran als vor zwölf Monaten.

Hey du,
sieht ich ein kleiner Junge war, glaube ich an Jesus. Ich kann mich an kaum Tag in meinem Leben ohne Gott erinnern. Ich glaube an ihn - schon lange. Und dafür bin ich dankbar. Denn ein Leben ohne ihn kann ich mir nicht vorstellen. Und doch, heute mit fast 17 Jahren, wird mir bewusst, dass das Leben als Dauer-Christ auch seine negativen Seiten hat. Zumindest in meinem Leben: Ich wurde mit der Tatsache konfrontiert, dass ich mir nie die Zeit genommen habe, meine Prägungen, meine Werte, meine Sicht aufs Leben wirklich zu hinterfragen. Und mir wurde bewusst, dass ich mich viel zu viele Jahre dazu verdonnert habe, ein perfekter Christ zu sein. Ich habe es nie geschafft. Wie auch? Niemand ist perfekt. Aber für meine Fehlerhaftigkeit habe ich mich bestraft. Ich habe mir Vorwürfe gemacht, mich selbst runtergemacht und mir nicht erlaubt, schwach zu sein. Mit allen anderen war ich gnädig und barmherzig. Aber mit mir selbst war ich das nie.

Pretty Perfect?!
Ich stand vor einem Jahr also vor dem Spiegel, hab mich angeschaut und gespürt: Irgendetwas von Gottes Liebe habe ich nicht verstanden. Irgendetwas von seiner Güte und seiner Gnade, kam bei mir noch nicht an. Doch ich wusste nicht was. Also habe ich weitergemacht und mich weiterhin selbst eingesperrt. Ich habe versucht, perfekt zu sein. Alles hinzubekommen. Aus allem etwas zu lernen, mich stets zu reflektieren, um ja keinen Lernprozess mit Gott zu verpassen. Mein Dauersatz war: "Ich arbeite an mir". Tja, und so fühlte sich mein Leben auch oft an, wie "Arbeit". Mein Leben bestand darin, all die moralischen Vorgaben der Bibel umzusetzen. Bin ich davon auch nur gedanklich abgekommen, habe ich mich zurückgepfiffen, mir selbst eine Standpauke gehalten und mich am nächsten Tag noch mehr zusammengerissen. Das doofe an der Sache ist: Umso mehr ich mich zusammengerissen habe, desto mehr Fehler sind mir passiert. Im Nachhinein macht das absolut Sinn: Schwächst du jemanden, bleibt er schwach. Stärkst du jemanden, wird er noch stärker. Doch ich wusste einfach nicht, wie ich diesem Leben mit Jesus anders gerecht werden sollte. Ich habe krampfhaft versucht, nicht zu "sündigen", bloß keine Fehler zu machen.
Ich wollte doch, dass Jesus mit mir zufrieden ist. Das war mein tiefster Wunsch.
Und in all dem habe ich unglaublich viel verpasst. Ich habe verpasst, dass er mich bedingungslos liebt. Ich habe seinen Tod am Kreuz für mich nicht in Anspruch genommen. Ich habe seine Gnade in meinem Leben nicht erlebt. Ich habe Gnade nicht verstanden, oder wie auch immer man es am besten beschreibt.

Gott vollendet sein Werk
Doch das Gute in all dem ist: Jesus stand und steht über mir. Und er hat nicht lockergelassen, sondern ist mit mir diesen Weg gegangen. Er hat mich im letzten Jahr unglaublich herausgefordert und mich an meine Grenzen gebracht. Er hat mir gezeigt, dass ich, egal wie sehr ich mich anstrenge, fehlerhaft bleibe und deshalb ihn brauche. Er hat mir deutlich gemacht, dass durch meinen Versuch, perfekt sein zu wollen, ich eigentlich seinen Tod am Kreuz für unnötig erachte und dass er sich wünscht, dass ich aufhöre, mich zu quälen, weil er doch schon längst Freiheit für mich bereithält. Und er hat mir gezeigt, was Gnade für ihn bedeutet!
Er hat mich nie aufgegeben und er wird auch dich niemals aufgeben. Gott vollendet sein Werk, das er in dir begonnen hat.
"Ich bin ganz sicher, dass Gott sein gutes Werk, das er bei euch begonnen hat, zu Ende führen wird, bis zu dem Tag, an dem Jesus Christus kommt." (Philipper 1, 6)
Gott erscheint im Buch Esther in der Bibel nicht als ein Gott der sichtbaren Wunder, sondern als ein Gott, der durch sein unsichtbares Handeln den Beweis seiner Fürsorge liefert. Genau gleich können auch wir sein Handeln in unserem Leben entdecken. Wir können immer wieder kleine, feine, schöne, überraschende und unspektakuläre Wunder erleben und sehen. Gott arbeitet in dir und in deinem Leben, auch wenn du es nicht wahrnimmst. Gott ist unaufhörlich am Werk, und setzt alles daran, dass wir, den besten Lauf in unserem Leben gehen können.

Der An-deiner-Seite-Gott
Interessant ist, dass wir, wenn wir uns näher mit der Bibel - dem Buch, das von unserem Gott erzählt - auseinandersetzen, sehen, dass das am häufigsten genannte Versprechen lautet: "Ich bin bei euch!" Bevor Gott Adam und Eva wegen ihrem Fehlverhalten zur Rechenschaft zog, pflegte er Gemeinschaft mit ihnen und sagte ihnen dadurch: "Egal was auch immer jetzt passiert, ich bin bei euch!" Genauso lebten Noah, Abraham und Sarah, Jakob, Josef, Moses, David, Amos, Maria, Paulus und viele andere in dieser engen Verbindung mit Gott. Sie alle wussten und erlebten, wie Gott auf ihrer Seite war und seine Zusage "Ich bin immer bei dir" begleitete sie ihr ganzes Leben. Es war ihr Fundament und auch ihre Hoffnung. Aus dieser Zusage nahmen sie jegliche Kraft, jegliche Zuversicht und konnten dank einem Glauben, der auf diesem Versprechen fundiert war, ihren Lauf erfolgreich beenden.
Und genau diese Zusage spricht Gott auch dir heute zu: "Ich bin immer bei dir!" Darauf können wir uns verlassen und wir werden erleben, wie Gott auch trotz unseren Fehlern, unserem Versagen und unserem Kleinglauben sein Werk mit uns vollenden wird. Halte dich an Gott und er wird dich führen, leiten und dich an den Ort deiner Bestimmung bringen.

Gnade, die trägt
Also was ist Gnade? Ich könnte jetzt unglaublich viele Bibelstellen zitieren, die die Kreuzigung Jesus verdeutlichen, die ausdrücken, dass Jesus meine und deine Sünden vergeben hat oder die deutlich machen, dass wir nichts von Gottes Barmherzigkeit verdient haben, er aber gütig genug war, um sie uns zu schenken. Und all das ist wahr. Aber für mich ganz persönlich bedeutet Gnade noch viel mehr. Der Vers, der es für mich heute am besten auf den Punkt bringt, steht in Psalm 23, 6: "Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar."
Wenn ich etwas im letzten Jahr verstanden habe, dann dass Jesus bei mir bleibt, neben mir rennt, wenn ich davonlaufe, mich festhält, wenn ich kurz davor bin zu fallen, mich liebt, wenn ich es selbst nicht kann, mich stärkt, wenn ich schwach bin. 
Gnade bedeutet für mich, dass Jesus mich nie loslässt, dass er mir mit seiner Barmherzigkeit und seiner Güte folgen wird, mein Leben lang. Ich habe verstanden, dass er nicht mit strafendem Blick vor mir steht und mir eine Standpauke über meine Schwächen hält, sondern dass er mit offenen Armen auf mich wartet, um mich zu trösten und um mir zu zeigen, dass, wenn ich ihn lasse, er stark in mir sein kann. Er hat mir gezeigt, dass meine Fehler ok sind. Dass ich nicht perfekt sein muss und dass ich nichts leisten muss um von ihm geliebt zu werden. Dass meine Sündhaftigkeit für ihn kein Problem ist, er davon nicht überrascht oder schockiert ist und ich zuallererst sein geliebter Sohn bin. Egal was kommt, egal welche Wege ich gehe und egal welche Entscheidungen ich treffe. Ich könnte in den weitesten Himmel fliegen, oder ins tiefste Meer versinken, es gibt keinen Ort, an dem Gottes Gnade zu weit weg ist, um mich zu berühren.

Amazing grace
Und dann, dann hat er mir gezeigt und zeigt mir immer wieder neu, dass er einen wundervollen Weg für mich hat. Einen Weg, den ich heute noch nicht sehe, aber den er schon seit 16 Jahren kennt. Und er sich nichts mehr wünscht, als dass ich mich ihm anvertraue und ihm zutraue, dass er bessere und heilsamere Entscheidungen treffen kann als ich selbst. Er steht über meinen Emotionen, über meinen oberflächlichen Wünschen, über den Dingen, die ich meine zu brauchen.
Was hat sich also jetzt in meinem Leben verändert? Die größte Veränderung in mir drin ist, dass ich mich mittlerweile wirklich mag. Ich kann in den Spiegel schauen und finde mich schön, mag meine verrückte und lustige Art, mag meinen Körper, mag meine laute Lache, mag meine Tollpatschigkeit. Ich mag mich, weil ich weiß: Jesus will mich so, wie ich bin. Eine weitere Auswirkung von Gnade in meinem Leben ist, dass ich langsam aber sicher damit beginne, meine Fehler anzunehmen und mich nicht mehr tagelang dafür selbst zu verurteilen. Ich kann immer mehr mir selbst vergeben, weil ich weiß, dass Jesus mir bereits vergeben hat. Ich bin geduldiger geworden - glaub mir, das war hart. Aber ich lerne, dass es sich lohnt, auf Jesus zu warten, wenn er manche Türen noch nicht öffnet. Und ich lerne vor allem eins: In all dem werde ich wieder in alte Muster zurückfallen. Es gibt immer noch Tage, wo ich zu hart mit mir selbst ins Gericht gehe. Und das ist ok. Denn auch das hält Jesus aus!
Und all das gilt auch für dich!
Das Leben als Christ ist kein andauernder Kampf gegen all unsere Schwächen. Das Leben als Christ ist zuallererst ein Leben aus der Fülle und der Liebe Jesus. 
Ja, wir dürfen lernen und es ist toll, wenn wir manche Schwächen ablegen. Aber das passiert aus der tiefen Gewissheit, dass es für Jesus ok ist, dass wir fehlerhaft sind. Und es immer bleiben werden. Lass dir von Jesus zeigen, was es bedeutet, von ihm geliebt zu werden, ohne ihm etwas bringen zu können.

Raus ins Abenteuer!
Gnade macht oft erst Sinn, wenn wir sie erlebt haben. Deswegen geh raus und lebe dieses Leben. Ich glaube Gott unterrichtet dich, während du deinen Weg gehst. Und ich habe keine Angst, etwas falsch zu machen. Denn Gnade bedeutet auch, dass du jedes Mal, wenn du auf die Schnauze fällst, von Gott wieder auf die Füße gestellt wirst.
Ich wünsche es dir und mir, dass Gott in unserem Leben und durch uns Aufbruch schenkt! Und ich freue mich, dass dies zuerst von Gott und seiner Gnade abhängt! Denn von dieser Gnade heißt es, dass sie erschienen ist, um Rettung zu bringen (Titus 2,11)!
Gnade ist trotzige Treue. 
Gnade ist Freispruch. Das Recht, nochmal ein neuer Mensch sein zu dürfen. Nicht immer festgelegt zu werden - auf die Vergangenheit, auf das was ich getan habe und mir antun ließ. Gnade eröffnet Zukunft. Sie schenkt dir Zeit. Gnade ist Liebe. Schöpferische Liebe, die Neues schafft. 

Amazing Grace! How sweet the sound that saved a wretch like me. I once was lost but now I'm found, was blind but now I see.

Be blessed
Manuel 




Bildquelle: http://ligaviewer.com/youversion

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