Am Rande der Spielwiese (TDW 47/2017)

Lesedauer: 6min

Halte dich an Jesus und nicht an Regeln

Lies bitte zuerst: Kolosser 2, 16-23

Hey du,
vielleicht hast du schon mal jemanden getroffen, der gesagt hat: "Ich will kein Christ werden, weil dann muss ich mich an so viele Regeln halten." Oder vielleicht geht es dir auch genauso, dass du Christlich aufgewachsen bist und das Gefühl hast, dass Christsein durch bestimmte Regeln definiert wird. Du denkst, weil du bestimmte Dinge tust, oder nicht tust, bist du ein Christ oder vielleicht sogar ein guter Christ. Dieses Problem oder diese Frage ist überhaupt nicht neu, sondern sie beschäftigte die Menschen schon seit Jesus auf der Erde gelebt hat. Schon in der ersten Kirche ist dieses Problem aufgetaucht. Da gab es zum Beispiel Menschen, die anderen Menschen vorgehalten haben, dass sie keine guten Christen sind, wenn sie bestimmte Dinge tun oder nicht tun. Sie haben gesagt: "Berührt das nicht, tut dies nicht und haltet euch an diese Gesetze." Und Paulus behandelt dieses Problem. In seinem Brief an die Kolossergemeinde macht er deutlich, dass sie einen Fehler machen, indem sie sich an Regeln halten und nicht an Jesus halten. Diese Leute haben nämlich gedacht, dass Wachstum in der Beziehung zu Gott dadurch passiert, dass man sich an bestimmte Regeln hält. Und Paulus zeigt: Wachstum in der Beziehung zu Gott passiert, wenn du dich an Jesus hältst.

Zaun = Gefängnis?
Ich glaube, dass auch wir heute oft noch so denken. Wir assoziieren Christsein mit Regeln und Gesetzen, Gemeinden definieren sich durch ihre Stellung zu gewissen Geboten anstatt Jesus in den Mittelpunkt zu stellen. Wir unterteilen zwischen guten und schlechten Christen, stellen Regeln auf, die es nie gegeben hat um an Ende beklagen wir uns über unsere Unfreiheit. Andererseits ist es auch falsch, Gebote als überholt anzusehen und sich allein auf die Gnade zu berufen, nach dem Motto: "Jesus wirds schon richten, er ist ja für meine Fehler gestorben." Es gibt also auch so eine Art Zwischending zwischen den beiden Extremen: Gebote einhalten und Gebote ignorieren. Das nenne ich gerne "sich am Rand der Spielweise tummeln".
Nehmen wir mal das fünfte Gebot: Du sollst nicht töten. (2. Mose 20, 13) Die meisten von uns würden jetzt wohl sagen: "Klar, ich weiß, was das bedeutet, und ich halte mich auch daran: Ich soll niemanden umbringen! Ein bisschen töten geht ja nicht!" Dagegen ist das sechste Gebot für viele nicht ganz so eindeutig: Du sollst nicht ehebrechen. (2. Mose 20, 14 ) Wo beginnt Ehebruch? Mal ein flirt oder ein Kuss - das ist doch drin, oder?
Bei Geboten denken viele an Verbote und dabei wieder an: Einschränkung! 
Sie schauen, wie weit sie gehen können, anstatt das Gute darin zu suchen. Im Bezug auf dieses sechste Gebot verhalten sich manche wie auf einem Schwebebalken. Ständig testen sie aus, wie weit sie ihren Fuß herunternehmen können, ohne herunterzufallen. Im übertragenen Sinne: Wie weit kann ich gehen, ohne das Gesetz richtig zu brechen? Wenn ich in einer Beziehung hin und wieder einen Porno gucke, ist das doch okay - damit breche ich die Ehe ja nicht. Wenn überhaupt ist das doch nur ein bisschen, ein ganz harmloses Ehebrechen - oder?

Rebellen und Balance-Akrobaten
Bei "Du sollst nicht töten" weiß jeder, dass das Gebot eine gute Idee ist. Beim Ehebrechen nicht. Beim Thema Beziehung vertrauen wir Menschen lieber den Zeitungen und dem Zeitgeist als Gott. Leider.
Dabei hatte Gott bei jedem Gebot eine gute Idee im Sinn. Deshalb ist es so wichtig, dass wir sie ernst nehmen und nicht ständig den Fuß vom Schwebebalken nehmen oder, wie man so schön sagt, uns am "Rande der Spielwiese" aufhalten. Übrigens verbergen sich auch hinter dem fünften Gebot mehr Facetten, als rein physisch jemanden umzubringen. Nur denken wir im ersten Moment nicht daran. Man kann auch den Ruf eines Menschen "töten", zum Beispiel durch Lästern oder das Streuen von Gerüchten. Oftmals gerät man dann in eine Spirale: Vertrauen ist zerstört, Beziehungen zerbrechen und Bitterkeit zieht ins Leben ein.
Gott will letztlich, dass wir durch seine Gebote leben. 
Er hat sich bei jedem etwas gedacht.

Der Freizeitpark deines Lebens 
Ich persönlich stelle mir Gottes Gebote wie einen Freizeitpark vor, in dem man erst einmal vor Tausenden von Möglichkeiten steht, die man nach und nach entdecken und einnehmen kann. Doch man muss sich auch ganz darauf einlassen, nicht nur halb. Brichst du beispielsweise immer nur "ein bisschen" die Ehe, dann stehst du dein Leben lang an der Eingangstür dieses supernicen Freizeitsparks. Du kannst zwar einen Blick hineinwerfen, hast aber außer dem Knabbern an deiner Zuckerwatte keine großen Erlebnisse. Du bist eben nicht drin, bist aber auch unschlüssig, ob du überhaupt hineinmöchtest, weil die Achterbahn doch ganz schön hoch aussieht. Also bleibst du lieber am Rand stehen. Gleichzeitig fühlst du dich an deinem Zaunplatz nicht wirklich wohl. Und dann ist da noch diese Zusage von Gott: "Ich meine es gut mit dir! Alles, was ich dir mitgebe, und alles, was ich von dir verlange, ist gut, selbst wenn es erst mal nicht so aussieht"! Schließlich traust du dich doch in den Freizeitpark hinein und schaust, was du alles entdecken kannst. Da gibt es einen krassen Rausch in der Achterbahn, der mit nichts vergleichbar ist und das beste Wildwasserrafting, das du jemals gefahren bist. Und am Ende bekommst du sogar eine Dauerkarte am Eingang geschenkt und kannst dein Leben lang in diesem Park sein - in dem ständig neue Attraktionen entstehen, die du nutzen und entdecken kannst. Also, was klingt besser: Platz am Zaun oder rein ins pralle Abenteuerland? Mir geht es bei diesem Bild vor allem um eines: Erst wenn ich versuche, dem Sinn eines Gesetzes auf den Grund zu gehen, kann ich nachvollziehen, wie viel Gutes darin steckt, das ich entdecken und annehmen, aber vom Rand aus gar nicht sehen kann. Warum überlege ich die ganze Zeit, wie weit ich gehen darf, damit ich das Gebot nicht breche, statt zu erkennen, warum Gott mir dieses Gebot gibt?
Gott schenkt mir mit seinen Geboten Freiheit und nicht Einschränkung!
Wenn ich über dieses Thema mit anderen Menschen spreche, höre ich oft: "In der Theorie klingt das ja alles ganz gut! Aber ich fühle mich trotzdem eingeschränkt, der Park hat ja einen Zaun! Ich bin da irgendwie gefangen - auch wenn es Spaß macht. Selbst wenn Gott es gut mit mir meint, ist er eine echte Spaßbremse!"

First choice is yours
Egal, ob du der Rebell, der Balance-Akrobat auf der Spielwiese, eine Mischung von beiden oder gar keiner dieser Typen bist, die wir uns jetzt angesehen haben eines haben wir alle gemeinsam: Was Gottes Gebote und Prinzipien angeht, können wir zwischen Fluch oder Segen wählen. Gott gibt uns allen das Privileg - der ersten Wahl! Er zwingt uns zu nichts. Er entscheidet aber auch nicht für uns, da er uns einen freien Willen gegeben hat, den wir ausleben dürfen und können. Doch egal, wofür wir uns entscheiden, eines gilt immer: Gott liebt uns, ob wir seine Gebote ernst nehmen oder nicht.
Der Unterschied ist unsere Lebensqualität, unsere Freiheit im Hier und Jetzt.
"Denn wer nur zuhört und nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sich im Spiegel betrachtet Er sieht sich. weg und vergisst, wie er aussieht. Wer aber ständig auf das vollkommene Gesetz Gottes achtet - das Gesetz, das uns frei macht - und befolgt, was es sagt, und nicht vergisst, was er gehört hat, den wird Gott segnen." ( Jakobus 1, 23-25) 
Gottes Gesetz macht uns frei! Engt uns nicht ein!

Exzellenz und Perfektion
Wir Christen sind manchmal ziemlich kurios drauf. Wir Christen lieben Perfektion. Bloß keinen Fehler machen. Nur nicht offenlegen, dass man gerade zweifelt. Alle Gebote einhalten um ein guter Christ zu sein. Immer schön die Fassade aufrechterhalten - perfekt sein. Oder wenigstens perfekt scheinen. Bloß nicht zugeben, dass man "ein bisschen Ehe gebrochen" hat... man könnte ja vom Weg abgekommen sein. Sonntag das Schauspiel. Am Montag das Bewusstwerden einer Illusion. Einer Illusion von Perfektion. Am Sonntag hören wir in der Predigt "Gott liebt dich!" und am Montag scrollen wir über Instagram und Facebook und bekommen Minderwertigkeitskomplexe. What?
Es darf und muss ein Umdenken geschehen. Bei dir und bei mir selbst. Wir streben nach Perfektion, gerade auch im Hinblick auf Gottes Gebote. Dabei hat Jesus schon das perfekte Leben gelebt und uns dadurch frei gemacht. Jesus hat uns gezeigt, es kommt nicht darauf, alle Gebote einzuhalten. Es gibt keine guten und schlechten Christen. Es kommt darauf an, in einer lebendigen Beziehung zu Gott zu leben.
Ich glaube, wir haben die Gebote falsch verstanden.
"Nehmt das Leben an, in das der Herr euch gestellt hat, und lebt so weiter, wie es war, als Gott euch berufen hat." (1. Korinther 7, 17).
Genau hierfür bist du gemacht. Mit dem, was du hast und wer du bist. Mit einer klaren Entscheidung und der Vorfreude auf mehr.

Halte dich an Jesus
Jesus hat die Gebote nicht aufgelöst. Nur weil er die Lösung ist, bedeutet das nicht, dass wir die Gebote nicht mehr brauchen. Aber er hat uns gezeigt,
Wachstum in der Beziehung zu Gott passiert nicht, wenn du dich an Regeln hältst, sondern wenn du dich an Jesus hältst.
Ich will dich heute herausfordern: Halt dich an Jesus. Und definier dich nicht durch Regeln. Es geht beim Christsein nicht um Religion, sondern um Beziehung. Religion würde bedeuten, dass ich bestimmte Dinge tue, oder nicht tue um Gott zu gefallen. Um meine Beziehung zu Jesus in Ordnung zu bringen. Aber beim Christsein geht es darum, in einer lebendigen Beziehung mit Gott zu leben. Wenn du als Christ weiterkommen möchtet, dann halte dich an Jesus, anstatt dich durch Regeln zu definieren.
Ich will dich heute challengen, dass du mal überlegst, wie du dein Christsein definierst. Definierst du dein Christsein durch die Dinge die du tust oder nicht tust - oder einfach durch deine Beziehung zu Jesus. Und ich wünsch dir, dass du das erlebst: Wenn du dich nicht an Regeln festhältst, sondern an Jesus, wirst du dadurch wachsen und Schritte im Glauben gehen.

Be blessed
Manuel


Bildquelle: http://ligaviewer.com/yesheis_

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